Arbeitskampf : Streik am Hamburger Flughafen

Reisende stehen am Mittwoch auf dem Flughafen Hamburg an einem Check-in Schalter an. Foto: dpa
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Reisende stehen am Mittwoch auf dem Flughafen Hamburg an einem Check-in Schalter an. Foto: dpa

Lange Schlangen vor den Schaltern, erboste Reisende: Die Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst hat auch den Flughafen in Hamburg erfasst.

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05. März 2008, 03:32 Uhr

Ein Warnstreik der Flughafenfeuerwehr hat am Mittwochmorgen den Verkehr am Flughafen Hamburg komplett lahmgelegt und für zahlreiche Ausfälle von In- und Auslandsflügen gesorgt. Durch den Streik sind 77 Flüge ausgefallen. Der dreistündige Ausstand wurde wie geplant um 9.00 Uhr beendet, teilte eine Flughafensprecherin mit. 40 Abflüge mussten gestrichen werden und 37 Flugzeuge konnten nicht in Hamburg landen. Sie wurden über Bremen oder Berlin umgeleitet. "Wir gehen davon aus, dass sich der Flugverkehr im Laufe des Tages wieder normalisiert", sagte die Sprecherin. Rund 6000 Passagiere waren von dem Ausstand betroffen.
Die Gewerkschaft Verdi hatte wegen der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst zu dem Warnstreik aufgerufen. Die Streikwelle trifft damit erstmals auch die Flughäfen. Nach Gewerkschaftsangaben waren neben Hamburg auch Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln-Bonn, Stuttgart, Hannover, Nürnberg und Dortmund von der mehrstündigen Arbeitsniederlegung betroffen. Nicht bestreikt werden hingegen die Flughäfen Bremen, Leipzig und Dresden, weil sie eigene Haustarifverträge haben. Wegen der Warnstreiks an den deutschen Flughäfen kündigte die Lufthansa bereits am Dienstagabend vorsorglich an, insgesamt 142 Flüge zu streichen. Betroffen seien vor allem innerdeutsche Flüge mit Start oder Ziel in Frankfurt und München.
"Ich hätte nicht gedacht, dass die wirklich den Flughafen lahmlegen"
Neben der Feuerwehr legten auch Mitarbeiter des Flughafen- Managements, der Verwaltung sowie einige Angestellte der Bundespolizei ihre Arbeit befristet nieder. Vor den Schaltern bildeten sich lange Schlangen, Geschäftsleute waren erbost, weil sie nicht zu wichtigen Sitzungen reisen konnten. "Durch den Warnstreik können rund 1000 Menschen am Flughafen nicht arbeiten", sagte die Hamburger Verdi-Sprecherin Sabine Bauer. Besonders durch den Warnstreik der 40 Feuerwehrleute sei der Flughafen lahmgelegt worden. "Wenn die Feuerwehr nicht arbeitet, kann der Flughafen nicht mehr die Sicherheit für ordnungsgemäße Starts und Landungen garantieren", sagte Streikposten Jan Sievers.
Viele Menschen waren überrascht von dem Warnstreik. "Ich hätte nicht gedacht, dass die wirklich den Flughafen lahmlegen", sagte eine Reisende, die nicht zum 85. Geburtstag der Schwiegermutter nach München fliegen konnte. Ein Geschäftsmann aus England war erbost, weil er ein wichtiges Treffen in Brüssel verpasste. Andere Reisende fuhren unverrichteter Dinge in ihr Hamburger Büro und verabredeten statt persönlicher Treffen Video- oder Telefonkonferenzen. Besonders kreativ waren Geschäftsleute, die nach Köln mussten: Sie mieteten sich ein Auto und ließen per Lautsprecherdurchsagen darauf hinweisen, dass noch Mitfahrgelegenheiten für verhinderte Fluggäste frei seien.
In einer kämpferischen Rede sprach der Landesbezirksvorsitzende von Verdi Hamburg, Wolfgang Rose, den warnstreikenden Kollegen vor der Flughafenkantine Mut zu. Es habe Nullrunden über Nullrunden gegeben. Der Flughafen verdiene gut und die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes sollten auch gut verdienen, sagte Rose. "Egal, wo man arbeitet, in Krankenhäusern, Kitas, Bücherhallen, Theater oder hier am Flughafen (...), wir müssen gerechtere Löhne bekommen." Verdi und die dbb Tarifunion verlangen für die bundesweit 1,3 Millionen Tarifangestellten des Bundes und der Kommunen acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro im Monat. Die Arbeitgeber boten bislang fünf Prozent, allerdings verteilt auf zwei Jahre und bei einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

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