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Erotik-Branche : Strapse, Lack und Spielzeug: Weihnachtszeit belebt Sex-Geschäft

vom
Aus der Onlineredaktion

Die großen Erotik-Fachhändler machen einen Großteil ihres Umsatzes in der Weihnachtszeit. Besonders häufig liegen Dessous unter dem Weihnachtsbaum - und zwar auch für Männer.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 11:26 Uhr

Flensburg | Strapse, Massageöle und Sextoys - Die Weihnachtszeit beschert auch den Größen in der Erotikbranche, Beate Uhse und Orion, gute Umsätze. Im November und Dezember mache Orion zwischen einem Fünftel und einem Viertel der Gesamtjahresumsätze, sagt die Orion-Sprecherin, Susanne Gahr, der Deutschen Presse-Agentur. Auch bei Mitbewerber Beate Uhse läuft das Weihnachtsgeschäft gut. „Die Vorweihnachtszeit ist für uns, genauso wie für viele andere Unternehmen, natürliche eine wichtige und umsatzstarke Zeit, weil die Kundinnen und Kunden sich jetzt ihre Wünsche erfüllen möchten und die Kaufkraft hoch ist“, heißt es. Wie hoch der Anteil am Umsatz sei, dürfe man nicht mitteilen, heißt es aus dem Unternehmen.

Das Fest der Liebe belebt offensichtlich auch die sexuellen Phantasien. Für der großen Erotik-Unternehmen Beate Uhse und Orion herrscht derzeit Hochkonjunktur.  Eines der beliebtesten Weihnachtsgeschenke für Erwachsene ist derzeit Reizwäsche.


Die Interessen der Kunden sind in der Adventszeit etwas anders gelagert, als im restlichen Jahr. Über das Gesamtjahr betrachtet seien Sexartikel wie Vibratoren seit einigen Jahren mit Abstand die meist verkauften Produkte, sagt Orion-Sprecherin Gahr. In der Weihnachtszeit ist dies anders: „Da nehmen die Dessous wieder an Schwung auf und werden häufiger gekauft. Ich glaube, das spielt die Sinnlichkeit eine große Rolle.“

„Normalerweise ist schwarz da eine sehr, sehr beliebte Farbe, in der Weihnachtszeit ist rot dominierender“, beschreibt Gahr das Kaufberhalten ihrer Kunden. Im Online-Shop des Unternehmens finden sich neben klassischen Dessous auch X-mas-Hemdchen aus Samt oder Weihnachtsfrauenkleider aus Lack. Doch nicht nur Frauen finden unter dem Tannenbaum schön verpackte Wäschestücke - auch Männer werden laut Gahr gerne mit Dessous bedacht. Gerne bestellt werde etwa ein „kurioses Produkt“: ein roter Weihnachtsstring für Männer, „der eher zum Schmunzeln anregt“, wie Gahr es formuliert. Ähnlich das Bild bei Konkurrent Beate Uhse: „Ganz hoch im Kurs stehen in dieser Zeit Dessous - insbesondere in edlen, weihnachtlichen Farben wie Schwarz oder Rot.“

„Das entspricht dem, was die meisten Menschen auch aus ihrer eigenen Sexualität kennen“, sagt der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter.„Wir wollen alle auch gern verführt werden.“ Männliche Verführung bestehe - „heute wie seit der Steinzeit“ - daraus, der Frau Geschenke zu machen, während Frauen zu diesem Zweck dem Mann eher schöne Augen machten. „Also ergänzt sich das eigentlich ganz trefflich. Er darf was schenken und sie hat etwas, was sie vorführen kann“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS).

Aber auch Toys aller Art sind sehr gefragt an Weihnachten, speziell auch ganze Sets, sagt Gahr. „Und es liegt nach wie vor im Trend, sich mehr Spaß zu zweit zu schenken.“ Eine Beobachtung, die auch beim Konkurrenten gemacht wird. Das Frauen und auch Paare offener über ihre Bedürfnisse und auch Wünsche sprechen und auch das ein oder andere Sexspielzeug ausprobieren, hat nach Ansicht von Pastötter viel mit der Serie „Sex and the City“ zu tun - und vor allem mit der Folge, in der eine der Frauen ihren Freundinnen von einem bestimmten Dildo vorschwärmt. „Das war ein Dammbruch“, sagt Pastötter. „Sextoys wurden was schickes.“ Der Vibrator sei ein legitimes Mittel für die Gesundheit, den Genuss und den Konsum geworden.

Pastötter sieht diese Entwicklung gespalten. Es sei gut, dass sexuelle Wünsche und Orgasmen thematisiert werden, aber es dürfe kein Leistungsdruck aufgebaut werden, nach dem Motto „Sex ist es nur, wenn auch ein Orgasmus da ist“. Ein weibliches „Recht auf einen Orgasmus“ dürfe nicht mit einer Pflicht verwechselt werden. Es gebe auch Frauen, die dies belaste.

Die Kunden von Orion kommen aus allen Altersstufen. 60 Prozent der Kunden kaufen als Paar ein. Die restlichen 40 Prozent verteilten sich gleichmäßig auf Männer und Frauen. In der Vorweihnachtszeit seien aber auffallend viele Männer auf der Suche nach einem Geschenk für ihre Partnerin, sagt die Orion-Sprecherin.

Die Kernzielgruppe von Beate Uhse sind ebenfalls Paare und Frauen.„Und das sind auch diejenigen, die in der Weihnachtszeit bei uns einkaufen“, teilt die Pressestelle mit. „Aber in der Weihnachtszeit kommen auch vermehrt Männer zu uns, die eine Weihnachtsüberraschung für ihre Partnerin suchen - seien es schöne Dessous oder eine hochwertige Massagekerze für innige und entspannte Stunden zu zweit.“ Genaue Umsatz- und Gewinnzahlen nennt Orion nicht. „Aber wir sind in auch in diesem Jahr - auch angesichts des bisherigen Jahresverlaufs - sehr optimistisch und freuen uns auf das Weihnachtsgeschäft“, sagt Gahr. Beim Orion-Versandhandel in Flensburg sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt arbeiten den Angaben zufolge für Orion im Versand und den Fachgeschäften europaweit rund 1000 Mitarbeiter. Etwa 95 Prozent von ihnen in Deutschland. Bei der Beate Uhse AG, die den Firmensitz dieses Jahr von Flensburg nach Hamburg verlegt hat, arbeiten europaweit rund 580.

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