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Niedrigzinsen : Stiftungen im Land geht das Geld aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ob soziale Projekte oder Sport-, Kultur und Umweltarbeit: Ihre Träger gucken zunehmend in die Röhre, wenn sie sich bei Stiftungen um Zuschüsse bewerben.

Kiel | Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen können die Stiftungen ihr Kapital kaum noch vermehren. „Die Förderbeträge, die Stiftungen in Schleswig-Holstein ausschütten können, haben sich in den letzten vier Jahren halbiert“, schätzt Michael Eckstein, Regionalkurator des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. „Bei manchen geht das schon an die Sinnfrage.“

Von wenigen Riesen wie der Lübecker Possehl-Stiftung oder der Sparkassen-Stiftung Schleswig-Holstein abgesehen, beziffert der Ahrensburger die 2013 ausgezahlte Fördersumme der Stiftungen auf höchstens noch fünf Millionen Euro. 704 Stiftungen bestehen im nördlichsten Bundesland. Über 90 Prozent haben jedoch ein Vermögen von weniger als einer halben Million, ein Großteil unterhalb von 250.000 Euro – meist zu wenig, um alternativ zu den flauen Zinsen von oft nur einem Prozent etwa in Immobilien oder Land zu investieren. Zum Streuen auf verschiedene Geldanlagen erweist sich die Masse der Stiftungsvermögen ebenfalls als zu klein. Abgesehen davon, dass sich mit Glück lukrative, aber risikoreiche Anlageformen schon vom Stiftungsgesetz verbieten: Das verpflichtet dazu, das Geld sicher anzulegen.

Bernd Hannemann vom Diakonischen Werk, der die Initiative „Stiften in Schleswig-Holstein“ koordiniert, sieht voraus, dass die Ebbe sogar noch zunimmt: Manche, noch zu Zeiten mit lukrativeren Zinsen abgeschlossene Anlagen laufen erst noch aus: „Es wird deshalb in der Förderlandschaft noch enger werden. Das ist ein schleichender Prozess.“ Für viele Projektträger werde es immer mühsamer, sich selbst überschaubare Summen zwischen 10 und 20.000 Euro aus bis zu sechs Quellen zusammenzubasteln. Schon wenn eine versiege, drohe das ganze Gebilde ins Wanken zu kommen. Kontinuierliche Arbeit werde zusehends schwieriger. Öffentliche Haushalte könnten bei freiwilligen Leistungen ohnehin kaum noch helfen.

Mitunter wird als Lösung diskutiert, dass mehrere Stiftungen gemeinsam einen Fonds bilden und diesen höheren Betrag zu besseren Konditionen anlegen. Dies ist nach Einschätzung von Bernd Brandes-Druba, Stiftungsverantwortlicher beim Sparkassen- und Giroverband, in Schleswig-Holstein jedoch nur Theorie: „Wegen unterschiedlicher Fristen der bisherigen Anlagen gestaltet sich das in der Praxis als schwierig.“ Brandes-Druba sieht einstweilen keine Besserung: „In den nächsten zwei Jahren ist kein Umschwung am Kapitalmarkt zu erwarten.“ Eckstein spricht davon, dass die Stiftungen jetzt „überwintern müssen“. Sie seien „auf 100, nicht für fünf Jahre angelegt – deshalb bleibt das Modell interessant“.  

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erstellt am 17.Okt.2013 | 07:21 Uhr

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