Stets im Kontakt mit Kunden: Firmen setzen auf Facebook und Co.

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25. September 2012, 03:59 Uhr

Kiel | "Was macht ihr, wenn euch die Gelenke Probleme bereiten?" - fragt das Flensburger Unternehmen Queisser Pharma auf seiner Facebook-Seite. Die Firma mit der bekannten Marke Doppelherz beschäftigt sich dort jeden Monat intensiv mit einem anderen Gesundheitsthema. Aktuell sind es die Gelenke. So wird unter anderem der Dialog mit den Kunden gesucht und auch Tipps gegeben. Einer lautet etwa: Einseitige Belastung schadet. "Wir posten ganz viel von uns aus. Dabei geht es uns nicht um einfache Produktwerbung, sondern darum, unsere vielfältige Gesundheitskompetenz darzustellen", sagt Tim Simonsen, der bei Queisser Pharma für das Online-Marketing zuständig ist. Das Thema des Monats ist nur eine von vielen Aktionen und Angeboten. Man suche auf Facebook den offenen Dialog mit den Kunden. Das gelte auch dann, wenn sachliche, ernst gemeinte Kritik komme. Die werde nicht gelöscht, da beziehe man Stellung zu, so Simonsen. "Wir können uns für die Zukunft auch durchaus vorstellen, die Verbraucher zu bestimmten Bereichen unseres Angebotes zu befragen - ob ihnen Beispielsweise die Verpackung eines Produktes gefällt oder welchen Geschmack sie bei Brausetabletten favorisieren."

Queisser ist mit seinem Facebook-Auftritt kein Einzelfall. Bundesweit sind bereits vier von fünf Firmen in sozialen Netzwerken aktiv. Das geht aus einer Studie des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) hervor. Bei Social Media-Aktivitäten im Netz stehen dabei bisher PR und Marketing im Mittelpunkt - mit dem Ziel, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen (85 Prozent), das Image zu verbessern (81,5 Prozent), neue Zielgruppen zu erschließen (74 Prozent) und Kunden stärker zu binden (72,4 Prozent).

Ebenfalls zum Bereich Social Media gehören so genannte Mitmach-Portale. Auf spezielle Zielgruppen zugeschnittene Communities, die besonders geeignet sind, den Dialog zwischen Unternehmen und Kunden zu fördern - auch für Hinweise zur Produktverbesserung. Erst rund 17 Prozent der befragten Betriebe haben jedoch solche Angebote. Den Rückkanal für den Kunden auf diese oder ähnliche Weise auszuweiten, dürfte laut BVDW aber ein Trend werden. Der Technologiekonzern Bosch experimentiert mit seinem Heimwerkerforum "1-2-do.com" bereits in diesem Bereich. Der Henkel-Konzern zeigt unter klebeberater.de wie Pattex, Ponal und Pritt am besten halten.

"Viele Firmen haben einen sehr großen Informationsbedarf, wie sie Social Media für sich nutzen können", sagt Lars Müller, der Geschäftsführer der Internet-Agentur Webworx, die viele Kunden in Schleswig-Holstein betreut. "Unserer Erfahrung nach geht es häufig dann aber doch erst einmal darum, eine vernünftige Internetseite zu gestalten, sich mit E-Mail-Marketing zu beschäftigen etc. - also mit den Grundlagen des Online-Marketing." Der Einstieg in Social Media erfolge dann meistens über Facebook, so Müller.

Ein eigenes Online-Forum aufzubauen, macht laut Experten wie Müller dann Sinn, wenn man ein breitenwirksames Produkt hat und bereit ist, Arbeit zu investieren. Arbeit, um beispielsweise für das Forum zu werben - es populär zu machen. Arbeit, um auf Kundenkommentare zu reagieren. Einige Unternehmen registrieren sich daher beispielsweise zunächst in bereits bestehende, für ihr Thema relevante Foren und beobachten, was dort über sie geschrieben wird.

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