Bezahlsystem Payone : Sparkassen übernehmen Kieler Online-Dienstleister

Die Payone-Gründer  Jan Kanieß (l.), und Carl Frederic Zitscher.
Die Payone-Gründer Jan Kanieß (l.), und Carl Frederic Zitscher.

Die Kieler Gründer führen das Unternehmen weiter – und sollen die Rolle der Finanzgruppe im Internet stärken.

till_maj_0539 von
17. Dezember 2014, 12:35 Uhr

Stuttgart/Kiel | Die Geschichte könnte aus dem Silicon-Valley in den USA stammen, jener legendären Brutstätte der Internet-Branche. Doch tatsächlich ist die Geschichte von Payone eine aus Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt. Kurz nach Ende ihrer Schulzeit gründeten die beiden Kieler Jan Kanieß (33) und Carl Frederic Zitscher (31) den Online-Zahldienstleister. Jetzt hat die Sparkassen-Finanzgruppe über den Deutschen Sparkassenverlag (DSV) 80 Prozent des Unternehmens mit Sitz im Kieler Wissenschaftspark übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Kanieß und Zitscher bleiben mit jeweils zehn Prozent an der Firma beteiligt und weiterhin alleinige Geschäftsführer.

Payone wickelt für die großen Online-Shops die Bezahlung im Internet ab – sei es über Kreditkarte, Bankeinzug oder Paypal. Verdient wird an einer Provision im Cent-Bereich – bei jeder einzelnen Transaktion. Zuletzt hatten diese ein Volumen von rund drei Milliarden Euro, der Umsatz liegt bei acht Millionen. 2003, als Zitscher und Kanieß Payone auf den Weg brachten, lag das alles noch in weiter Ferne. „Online gab es eigentlich nur Amazon“, erinnert sich Zitscher – und dort seien nur Bücher gekauft worden. 2007 sei es dann passiert. „Der E-Commerce ist plötzlich salonfähig geworden“, so Zitscher. Für Payone geht es seitdem immer schneller voran. Globetrotter wird Kunde, Zalando ebenso. Die Umsätze wachsen zweistellig. In der Fraunhoferstraße in Kiel wird Stockwerk um Stockwerk hinzugemietet, neue Mitarbeiter eingestellt. Gut 100 sind es derzeit. „Wir sind einer der relevantesten Marktteilnehmer in Deutschland“, sagt Zitscher.

Doch um weiterhin erfolgreich sein zu können, brauche es Größe. An der Stelle kommt der DSV ins Spiel. Der Kauf gilt als Vorstoß der Sparkassen in die Welt der mobilen Bezahlsysteme. Zuvor hatten sie eine Kooperationen mit anderen deutschen Großbanken zur Entwicklung alternativer Modelle aufgekündigt. In diese Lücke und das Feld des Online-Geschäfts bei den Sparkassen wird künftig Payone stoßen. „Payone soll eine Schlüsselrolle spielen, diesen Markt anzugreifen“, so Kanieß. Konkret können die Sparkassen Firmenkunden künftig alles aus einer Hand bieten – vom Konto über die Kartenzahlung bis hin zum Online-Shopping. Für Kartenterminals im Geschäft ist der DSV vor längerer Zeit in den B+S-Card-Service aus Frankfurt eingestiegen. Für das Internet soll Payone nun die Dinge regeln.

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