Milder Winter, durchnässte Böden : Spargel und Erdbeeren in SH: Regenwetter macht den Bauern Sorgen

Mit Folien abgedeckt: Unter den Spargeldämmen im Ortsteil Klaistow von Beelitz in Brandenburg herrschen angesichts des milden Winters derzeit für das Edelgemüse angenehme Bodentemperaturen von 5 bis 6 Grad Celsius.
Mit Folien abgedeckt: Unter den Spargeldämmen im Ortsteil Klaistow von Beelitz in Brandenburg herrschen angesichts des milden Winters derzeit für das Edelgemüse angenehme Bodentemperaturen von 5 bis 6 Grad Celsius.

Nässe und Stürme verzögern Vorbereitungen für die Saison in SH. Andernorts sieht es für die Ernte deutlich besser aus.

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03. März 2020, 10:25 Uhr

Beelitz/Ellerhoop | Spargel entwickelt sich immer mehr zum Sprintergemüse in Deutschland. Während die Blütenköpfe der Krokusse hierzulande sich noch nicht einmal so recht entfalten mögen, wird bereits jetzt andernorts über den ersten Spargel spekuliert – und zwar in Beelitz in Brandenburg. Dort bereiten sich die Spargelbauern angesichts der bislang milden Temperaturen bereits auf die Ernte vor.

Immerhin: Frühestens zum 21. März könnten die ersten Stangen gestochen werden, sagt Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins, auf Anfrage. „Vorausgesetzt das Wetter spielt weiter mit, und es bleibt mild.“

Spargel-Experte: Es fehlt der Kältereiz

Weniger optimistisch sind hingegen die Betriebe in Schlesiwg-Holstein. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer verhindert das Wetter, dass wichtige Vorarbeiten auf dem Feld erledigt werden können. Die Äcker seien zu nass, um sie zu befahren. „Zudem könnten die immer wieder kräftigen Stürme die Folie von den Dämmen wehen. Deshalb sind die Dämme zum großen Teil noch nicht gezogen und somit auch die Folien noch nicht gelegt worden“, sagte Kammersprecherin Daniela Rixen.

Wenig erfreulich ist auch die Situation auf den Erdbeerfeldern in Schleswig-Holstein. Sie stehen in diesen Tagen teilweise großflächig unter Wasser:

Ein Erdbeerfeld in Wees bei Flensburg.
Götz Bonsen

Ein Erdbeerfeld in Wees bei Flensburg.

 

Der Winter hat hierzulande bislang nicht richtig Fuß gefasst, ist eigentlich zu mild. „Noch immer steht eine These im Raum, dass der Spargel wenigstens ein Mal im Winter einem Kältereiz ausgesetzt sein muss“, sagt Thomas Hanf, Berater für den Spargelanbau der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Ellerhoop im Kreis Pinneberg.

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Dieser Reiz sei ausgeblieben. „Wenn es also mild bleibt, könnten wir überprüfen, ob diese Theorie richtig ist.“ Könnten. Denn das Problem für die Spargelbauern im Norden ist ein ganz anderes: „Die Böden sind zwar nicht so kalt wie im Vorjahr, aber völlig durchnässt.“ Es werde selbst auf Standorten mit leichteren Böden noch längere Zeit ein Problem bleiben, „überhaupt die Dämme ziehen und dann die Folien aufbringen zu können“, so Hanf.

Der erste Schleswig-Holstein-Spargel gar im März – undenkbar. Aber zu Ostern? „Da sehe ich im Moment noch ein großes Fragezeichen“, sagt Hanf. Angesichts von Wetterkapriolen, die durchaus auch mal positiv überraschen können, hält Hanf den ersten Spargel aus dem Norden zum Auferstehungsfest jedoch „auch nicht für ausgeschlossen“.

456 Hektar Anbaufläche für Spargel in SH

Im brandenburgischen Beelitz hingegen sind die Spargeldämme längst gezogen, die Folien gelegt, die die Temperaturen so um 5 bis 6 Grad halten, erklärt der Beelitzer Spargel-Chef Jakobs. Das Gemüse beginne aber erst dann „regelrecht zu schießen“, wenn die Werte auf 12 bis 13 Grad steigen. In der Region um Beelitz, dem größten Spargelanbaugebiet Brandenburgs, wächst der Spargel auf 1700 Hektar.

Dagegen ist die Anbaufläche im Land zwischen den Meeren eher noch bescheiden: Zuletzt gab es Hanf zufolge eine Gesamtfläche für den Spargelanbau von 465 Hektar im Land. Die Erntemenge betrug hier zuletzt rund 1900 Tonnen – damit befindet sich Schleswig-Holstein unter den 13 Flächenländern in Deutschland an viertletzter Position.

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