Solarenergie : Sonnengekühlte Geschäfte

Ein Unternehmen aus Hamburg hat eine solarbetriebene Klima-Anlage entwickelt - mit geringem Stromverbrauch und ohne CO2-Ausstoß.

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21. Juli 2009, 12:59 Uhr

Hamburg | Sie wollen Sonnenstrahlen in Kälte umwandeln, mit denen Gebäude gekühlt werden können. Sie brauchen die Solarenergie genau dann, wenn die Sonne auch scheint. Die Technik ihrer Kältemaschine soll einfach sein, wenig Strom verbrauchen und kein Kohlendioxid ausstoßen. Pläne, mit denen die Hamburger Firma Thermodyna für Aufsehen in der Branche sorgt.

Und das Hamburger Unternehmen will noch mehr. Es will eine Anlage zur Marktreife bringen, die nicht nur Kälte, sondern auch Strom und Wärme erzeugen kann - je nachdem, was gerade benötigt wird. Im Mittelpunkt steht der sogenannte Schukey-Motor. "Der Motor ist klein, leise, einfach im Aufbau und dadurch sehr günstig herzustellen. Das führt zu Anlagepreisen, die erheblich unter denen herkömmlicher Technik sind", sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Reinhard Kupfernagel.
Aus Solar wird Dampf
Das Prinzip ist Folgendes: Ein Motor, der Antreiber, wandelt Dampf, den Solarkollektoren erzeugen, in mechanische Energie um. Durch diese Energie wird die eigentliche Kältemaschine angetrieben. Und die funktioniert so: Sie saugt die warme Raumluft ein, um sie dann zunächst zu komprimieren und dann wieder zu expandieren. Durch das Verfahren wird eine chemische Reaktion ausgelöst, bei der sich die Luft erst weiter erwärmt, dann herunterkühlt.

Ende 2010 will Thermodyna damit auf den Markt gehen. "Es ist eine Frage von Monaten, bis die ersten Maschinen eingesetzt werden können. Einige der Professoren, mit denen wir zusammenarbeiten, nennen uns schon in einem Atemzug mit den Motoren-Erfindern Otto und Diesel. Das macht stolz", sagt Kupfernagel.
Kurz vor der Serienreife

Thermodyna ist zwar nicht das erste Unternehmen, das an so einem Verfahren arbeitet, bisher konnten sich die Öko-Anlagen aber nicht gegenüber den klassischen Klimaanlagen durchsetzen. "Es gibt sehr viele unterschiedliche Modelle, sehr viele unterschiedliche Systeme", sagt Claus Händel, technischer Referent beim Fachinstitut für Gebäude-Klima (FGK). Das FGK ist ein Verein, der sich seit 1970 mit Klima-Anlagen beschäftigt, Kongresse veranstaltet und Forschungsprojekte - unter anderem mit dem Bundesforschungsministerium - fördert. Die Komplexität der Systeme und die geringe Nachfrage führe jedoch dazu, so Händel, dass Produktion und Betrieb der Anlagen noch sehr teuer sind. Er spricht zudem von einer Hand voll Start-Ups in Deutschland, die weiter an den Verfahren arbeiten und kurz vor der Serienreife stehen. Die meisten würden jedoch - anders als Thermodyna - mit den klassischen Kaltwasser- oder Kaltluftverfahren arbeiten. "Eine Klima-Anlage für ein Einfamilienhaus kostet rund 2000 Euro, eine Öko-Klimaanlage ist ab 20.000 Euro aufwärts zu haben", sagt Händel.

Derzeit gibt es eine öffentliche Diskussion unter den Interessenverbänden und der Politik, ob solche Öko-Chiller gefördert werden sollen. Das könnte den Markt zumindest etwas in Bewegung bringen, hoffen Experten wie Händel. Die 20 Mann starke Hamburger Firma Thermodyna muss darauf nicht warten. Sie sorgt schon jetzt mit ihrer Entwicklung international für Aufsehen. So haben nach eigenen Angaben des Unternehmens bereits amerikanische Investoren Interesse angemeldet - unter anderem aus dem Silicon Valley.

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