SSV 2015 : Sommerschlussverkauf: Rabatte, Rabatte, Rabatte

Zurückhaltende Verbraucher will der Handel mit Rabatten überzeugen.
Zurückhaltende Verbraucher will der Handel mit Rabatten überzeugen.

So viele Händler wie lange nicht mehr wollen sich an der Rabattschlacht zum Saison-Abschluss beteiligen.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
25. Juli 2015, 18:11 Uhr

Kiel | Offiziell gibt es ihn überhaupt nicht: den Sommerschlussverkauf. Dennoch wollen sich ab Montag so viele Händler mit kräftigen Preisnachlässen am Saison-Abverkauf beteiligen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Dem aktuellen „Handelsbarometer“ der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) zufolge haben 60 Prozent der Händler angekündigt, beim diesjährigen SSV dabei zu sein. Vor einem Jahr waren es lediglich 44 Prozent, in 2013 noch 50 Prozent.

Besonders die Fachmärkte planen demnach, den Rotstift anzusetzen – 70 Prozent wollen hier Rabattaktionen durchführen. Im Durchschnitt werden die Rabatte der Erhebung zufolge bei 24 Prozent liegen, ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Immerhin ein Viertel der Händler will bis zu 60 Prozent Rabatt geben.

Dass die Rabatt-Freude und die Lust auf den Sommerschlussverkauf im Handel zunimmt, beobachtet auch der Einzelhandelsverband Nord (EHV). „So eine Tendenz kann man nicht leugnen“, bestätigt Monika Dürrer, Geschäftsführerin beim Einzelhandelsverband Nord (EHV). „Der Termin ist bei den Händlern immer noch willkommen.“ Dabei stehen die Geschäft im Norden nach einem schlechten Mai inzwischen wieder gut da. Im Vergleich zum Vorjahr geht Dürrer derzeit von Zahlen auf Vorjahresniveau aus.

Hinter dem Rotstift-Einsatz steht im Handel dabei immer auch die Not. Lagerräumung wird als wichtigster Grund von den Geschäften angeben. Daneben spielt eine wirtschaftliche zunehmende Unsicherheit offenbar eine Rolle. Laut EY wachsen die Zweifel an der tatsächlichen Konsumlaune der deutschen Verbraucher.

Schon in der Vergangenheit hatte auch der EHV angemerkt, dass längst nicht die gesamte von Marktforschern oft ermittelte Kauflaune in Zeiten des Niedrigzins ihren Weg in den Einzelhandel im Norden findet. Inzwischen gehen in der bundesweiten EY-Erhebung 15 Prozent der Händler von einer sinkenden Konsumbereitschaft der Verbraucher aus – in den beiden Vorjahren waren es noch jeweils nur sechs Prozent.

Gerade der Textilhandel gibt sich skeptisch. Dort erwartet inzwischen jedes fünfte Unternehmen geringere Verkaufszahlen, bei Büchern und Schreibwaren blickt sogar jedes vierte Unternehmen skeptisch in die Zukunft. Für das „Handelsbarometer“ wurden von EY Anfang Juli insgesamt 120 leitende Manager führender deutscher Handelsunternehmen befragt.

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