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VW-Abgas-Skandal : So gehen Kunden und Händler in SH mit dem VW-Betrug um

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Ein Händler berichtet von gedrückter Stimmung unter den Mitarbeitern, andere von extrem vielen Kundennachfragen.

Kiel | Der Abgas-Skandal bei VW hat die Basis erreicht: Am Dienstag stellte der Autokonzern einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Diesel-Modellen mit Mogel-Software vor. Er will fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Die betroffenen Kunden sollen demnächst per Post informiert werden. Weitere Einzelheiten nannte der Konzern nicht.

Auf diese Nachricht hatten die VW-Händler im Norden dringend gewartet. Denn nicht nur bei den Kunden, auch bei den Händlern herrschte Ratlosigkeit. VW-Händler Christian Jordt aus Schleswig berichtet von gedrückter Stimmung unter seinen 60 Mitarbeitern. Für viele sei ein Weltbild ins Wanken gekommen. „Die Kollegen identifizieren sich mit Volkswagen, und es war immer klar: Manipulation ist nicht unser Stil.“

„Was würde es denn bringen, wenn jetzt die Autohändler in Panik verfallen“, sagt etwa Günther Frank, Standortleiter des Autohauses Rosier, das auf Sylt VW verkauft. Er sei von der Geschichte genauso überrascht worden wie jeder andere auch. In seinem Schlusssatz klingt dann ein gewisses Wunschdenken mit. „Ich gehe davon aus, dass wir das Softwaretool austauschen werden, und damit ist die Sache erledigt“, so Frank weiter.

Beim Autohaus Kath in Husum wurden vermehrt Kundennachfragen registriert. „Aber wir wissen ja auch noch nichts und warten ab“, sagt ein Sprecher. „Die Kunden haben ja keine Nachteile, die Wagen fahren wie immer.“ Es gebe zwar einige, die sich plötzlich über einen höheren Verbrauch beklagen, „aber das ist natürlich Unsinn“, heißt es. Ähnliche Äußerungen gibt es auch vom Autohaus Carstens in Husum. „Die Kunden fragen schon extrem nach im Moment, das wird jeden Tag schlimmer“. Das Problem sei nur, dass man auch nicht mehr wisse als die Kunden. „Es gab zwar ein Rundschreiben von VW, aber da stand auch nicht viel drin.“

Daher sind wohl auch die Händler froh, dass die Rückrufaktion jetzt mehr Klarheit für alle bringt. „Bei uns ist es sehr ruhig“, sagt dagegen Thomas Schaaf vom Autohaus Senger in Eutin. Es gebe die eine oder andere Frage von Pkw-Besitzern, ob ihr Auto von dem Skandal betroffen sei. Stornierte Autokäufe habe es noch nicht gegeben: „Die neuen Fahrzeuge haben sowieso die Euronorm 6, die von dem Skandal nicht betroffen ist,“ erklärt Schaaf.

Viele andere VW-Häuser in Schleswig-Holstein, so auch das Autohaus Eckernförde, das zur Schmidt & Hoffmann Gruppe in Kiel gehört, wollten sich zur Abgas-Affäre nicht äußern und verwiesen auf Wolfsburg.

Unterdessen berichtet das Umfrage-Institut YouGov, dass die Marke VW in der Kundenbewertung abgestürzt ist. Auf dem „BrandIndex“ des Instituts fiel der Konzern von durchschnittlich 40 auf nur noch 9 Punkte – und liegt damit auf einem Niveau mit Smart (8,8 Punkte). YouGov  befragt täglich rund 2000 repräsentativ ausgewählte Verbraucher zur Wahrnehmung von mehr als 700 Marken verschiedenster Branchen.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 08:25 Uhr

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