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Chinas Blick auf SH : So denkt Asien über den „echten Norden“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wirtschaftsförderer Bernd Bösche redet im Interview über Schleswig-Holsteins Chancen in Fernost und die Frage, was Japaner vom „echten Norden“ halten.

Herr Bösche, WTSH – die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes – hat Standorte in China, Indien, Malaysia, seit einem Jahr in Indonesien. Daneben gibt es nur noch Russland und Brasilien. Hängt das Schicksal von Schleswig-Holsteins Außenwirtschaft von Asien ab?
Das wäre sicherlich zu kurz gesprungen. Von den 19 Milliarden Euro Exportvolumen Schleswig-Holsteins gehen allein 1,5 Milliarden nach Dänemark, 1,3 Milliarden gehen in die USA, eine knappe Milliarde nach China, 200 Millionen nach Indien. Das verdeutlicht schon, dass wir nicht zu einseitig auf eine Karte setzen. Wir haben aber sehr, sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung in Asien profitiert. Und in Indonesien stehen wir erst am Anfang der Entwicklung; da haben wir das Potenzial unserer Wirtschaft bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Der erfolgreichste Standort der WTSH ist in China. Die Regierung der Volksrepublik richtet die Wirtschaft des Landes derzeit neu aus. Ist das für Schleswig-Holsteins Unternehmen mehr Fluch oder Segen?
Ich sehe das nicht als Bedrohung, sondern als zusätzliche Chance. Die Chinesen haben erkannt, dass sie umstellen müssen in Richtung eines qualitativen Wachstums. Sie lenken es also in Richtung höherer Qualität, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit.

Worin bestehen da die Chancen für den Norden?
China hat zum Beispiel gewaltige Probleme im Bereich der Wasserqualität. Dreiviertel der Oberflächengewässer sind verschmutzt, verseucht. Teilweise in einem Maße, dass es für die Trinkwasseraufbereitung überhaupt nicht mehr genutzt werden kann. Das ist in China ein riesiges Thema – und wir haben eine Reihe von qualifizierten Unternehmen in Schleswig-Holstein, die gerade in diesem Bereich interessante Technologien und Lösungsansätze zu bieten haben. Für die ist das eine hervorragende Chance.

Im April reist Wirtschaftsminister Meyer nach China. Erst 2013 war Ministerpräsident Albig vor Ort. Welchen Wert haben solche Besuche?
Es gibt viele Länder auf dieser Welt, in denen die politische Absicherung wirtschaftlicher Aktivitäten eine große Rolle spielt. Das ist in China besonders stark ausgeprägt. Wenn Unternehmen als Teil einer politisch angeführten Delegation dort auftauchen, bekommt das eine neue Qualität. Gerade den mittelständischen Unternehmen öffnet das viele Türen.

Lässt sich mit dem Landes-Slogan der „echte Norden“ eigentlich in China werben?
In China ist man noch nicht soweit. China hat allein schon aufgrund seiner eigenen Dimension kein richtiges Gefühl für die Einordnung in Deutschland. Wir erklären unsere Lage in China sehr oft damit, dass wir die Region um Hamburg herum sind. Mit Hamburg kann man in China schon mehr anfangen. Insofern kommen wir derzeit mit dem „echten Norden“ noch nicht so richtig an. Wir arbeiten daran, unsere eigene Marke zu prägen – aber das dauert eben seine Zeit.

China ist vielleicht ein Extrem. Wie sieht es mit anderen Ländern aus?
Kurz vor Dezember haben wir einer japanischen Delegation in Kiel die WTSH und den „echten Norden“ vorgestellt. Da gab es eine bemerkenswerte Reaktion: Die Japaner stellten die Frage, warum wir der echte Norden seien, ob Werte aus Skandinavien in Schleswig-Holstein eine Rolle spielen, sich Schleswig-Holstein dort einordnen würde? Mit nordisch würden sie eher Skandinavien verbinden.

Wie haben Sie reagiert?
Da bin ich fast vom Stuhl gefallen, dass die Japaner sich so gut mit den kulturellen Gegebenheiten in Nordeuropa auskannten. Wir hatten damit ein Heimspiel und konnten sagen, dass wir für bestimmte nordische Inhalte und Tugenden stehen und diese damit deutlich machen wollen. Sicherlich ist es nicht alltäglich, dass man in Japan auf so viel Kenntnis stößt. Doch es zeigt, dass man mit dem „echten Norden“ auch jetzt schon im Ausland wahrgenommen wird.

 

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erstellt am 17.Feb.2015 | 10:18 Uhr

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