Massive Einschnitte in Eckernförde : Sig Sauer: Pistolenhersteller plant Stellenabbau

Eine Waffe vom Typ Sig Sauer P2022 ist in Kolumbien aufgetaucht.
Von derzeit rund 140 Beschäftigten könnten beim Pistolenhersteller in Eckernförde nach Informationen unserer Zeitung unterm Strich noch 80 übrig bleiben.

Ärger in der Waffenkammer: Sig Sauers US-Schwester will alle Pistolen selbst produzieren. Mit Folgen für den Standort Eckernförde.

shz.de von
02. Juli 2014, 17:45 Uhr

Eckernförde | Herber Schlag für die Waffenschmiede Sig Sauer in Eckernförde: Ab 2015 will die gleichnamige US-Schwester alle Pistolen selbst produzieren. Das verkündete der amerikanische Sig Sauer-Chef Ron Cohen einschlägigen US-Berichten zufolge. Die Folgen für den Standort Eckernförde dürften dramatisch sein. Von derzeit rund 140 Beschäftigten könnten nach Informationen unserer Zeitung unterm Strich noch 80 übrig bleiben. 25 Pistolen sollen in Zukunft am Tag produziert werden – derzeit sind es doppelt so viele. Zudem sollen aus Schleswig-Holstein den Plänen zufolge künftig nur noch Waffen für den heimischen Markt kommen. Vom lukrativen US-Markt würde Sig Sauer Deutschland damit faktisch abgehängt. Die Belegschaft wurde bereits über die Pläne informiert.

Gegenwärtig machen die Aufträge der US-amerikanischen Schwester in Exeter, im US-Bundesstaat New Hampshire, gut die Hälfte des Umsatzes in Eckernförde aus. Die Waffen werden dabei in Deutschland produziert, anschließend in die USA exportiert und dort dann verkauft. Mit der Herstellung der Waffen direkt vor Ort sollen dem US-Boss Cohen zufolge die Kosten gesenkt werden.

Zuletzt sorgten Recherchen des NDR für Schlagzeilen, denen zufolge Waffen aus Eckernförde über die USA in die Hände der Nationalpolizei in Kolumbien gelangt sein sollen – was ein Verstoß gegen deutsche Ausfuhrauflagen wäre. Mit der Verlagerung der Produktion nach Amerika würde sich Sig Sauer solcher Probleme entledigen.

Während der Standort in Eckernförde in der Vergangenheit mehrfach Einschnitte hinnehmen musste, ist die früher als Sig Arms bekannte Schwester in den Staaten auf Expansionskurs und zählte zuletzt zu den am schnellsten wachsenden Herstellern von Handfeuerwaffen auf dem US-Markt.

Beide Sauer-Betriebe gehören zur L&O Holding – einem Zusammenschluss zweier Management-Einheiten mit Sitz in Emsdetten. Im Portfolio von L&O findet sich von der Pistolen bis zum Sturmgewehr so ziemlich alles, was als Waffe gilt. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als 2300 Menschen. Und in Emsdetten soll – wie aus Unternehmenskreisen am Mittwoch zu erfahren war – bis Mitte des Monats auch endgültig über die Zukunft von Sig Sauer entschieden werden. Offiziell konnte sich bei der Holding gestern niemand zu den Vorgängen äußern. Beim Werk in Eckernförde wurde betont, dass der Standort erhalten bleibe.

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