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Schiffbau : Sietas: Russen retten Hamburger Werft

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Neue Chance nach der Pleite: Die Zukunft der insolventen Sietas-Werft scheint für die nächsten acht Jahre gesichert. Die russische Firma Pella Shipyard will das Neuenfelder Schiffbauwerk wieder seefähig machen.

Hamburg | Mit russischem Kapital und Spezialschiffbau soll die insolvente Hamburger Sietas-Werft wieder flottgemacht werden. Das kündigte der neue russische Eigner Pella Shipyard aus St.

Petersburg am Montag in Hamburg an, der die Werft offiziell zum 10.

März übernimmt. Bis Ende 2016 soll die Zahl der Mitarbeiter von zunächst 120 auf 400 steigen und gleichzeitig 15 Millionen Euro in die Infrastruktur am Standort Neuenfelde investiert werden.

„Wir wollen unser Geschäft ausbauen“, kündigte Pella-Werftenchef Garegin G. Zaturow (50) an. Bei Sietas habe alles gepasst: die Firmengröße, die Technologie und der Kaufpreis, über den allerdings Stillschweigen gewahrt wurde. Die traditionsreiche Sietas-Werft kämpft seit 2009 ums Überleben und musste 2011 Insolvenz anmelden.

Künftig firmiert sie als Pella Sietas GmbH.

Pella Shipyard baut unter anderem Schlepper und Lotsenboote und modernisiert Altexemplare. Neben russischen Auftraggebern sind in der Referenzliste im Internetauftritt auch Kunden aus Norwegen, Litauen und Italien aufgeführt. 2000 Mitarbeiter sind nach Angaben von Zaturow in St. Petersburg beschäftigt, 1500 sollen an einem zweiten Standort im Sommer hinzukommen. Das Unternehmen sei bis 2016 mit Aufträgen ausgelastet. Der Jahresumsatz wurde auf rund 150 Millionen Euro beziffert. Pella habe sich verpflichtet, Sietas für mindestens acht Jahre als Schiffswerft weiter zu betreiben, berichtete Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. „Wir können auch 20 Jahre“, merkte Zaturow an.

„Die Finanzierungsnachweise der Banken waren exzellent“, ergänzte der Insolvenzverwalter. 45 Sietas-Mitarbeiter, die am letzten Auftrag für ein Windpark-Zulieferschiff mitgewirkt haben, werden übernommen, anschließend werde die Belegschaft auf rund 120 bis Mitte Mai aufgestockt. Ex-Mitarbeiter können sich wieder bewerben oder sollen aus der Transfergesellschaft (noch rund 60) neu eingestellt werden.

Das Errichterschiff für die niederländische Firma Van Oord soll in der kommenden Woche die Werft verlassen. Dann sollen Pella-Firmenaufträge, die von Russland aus nach Hamburg verlagert werden, die Beschäftigung sichern. Sietas-Mitarbeiter sollen auch in St. Petersburg praktische Erfahrungen sammeln - und umgekehrt.

Für den Standort Hamburg sei die Übernahme eine gute Perspektive, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Sietas habe sich für die Offshore-Windenergie aufgestellt und sich einen Namen gemacht. An die Spitze der Hamburger Firma rückt Geschäftsführerin Natallia Dean (35).

Im Norden Deutschlands ist eine weitere Werft in russischer Hand: Die Nordic-Werften (ehemals Wadan) mit Standorten in Wismar und Rostock waren 2009 aus der Insolvenz heraus vom russischen Investor Witali Jussufow übernommen worden. Beschäftigt sind dort rund 1200 Mitarbeiter. Nordic ist an der insolventen P+S-Werft in Stralsund interessiert. Insolvenzverwalter ist auch dort - Berthold Brinkmann.

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erstellt am 10.Feb.2014 | 14:59 Uhr

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