Albig in Asien : SH: Süß-saure Geschäfte mit China

In zwei Wochen wird Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation nach China reisen, nach Zhejiang – die Partnerprovinz Schleswig-Holsteins.
In zwei Wochen wird Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation nach China reisen, nach Zhejiang – die Partnerprovinz Schleswig-Holsteins.

Die Politik in Schleswig-Holstein setzt große Hoffnungen in den chinesischen Markt. Bisher erfüllen sich die Erwartungen aber nicht hundertprozentig. Ein Besuch von Ministerpräsident Torsten Albig in Asien soll das ändern.

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05. November 2013, 12:27 Uhr

Kiel/Hangzhou | Die Ankündigungen aus China während der vergangenen Jahre klangen mitunter gewaltig: 1000 Arbeitsplätze sollten beispielsweise in Schwarzenbek entstehen, die kleine Stadt im Kreis Herzogtum-Lauenburg ein Schaufenster der große Textilien-Welt werden. In Neumünster wiederum war von 30 Mitarbeitern und Investitionen von bis zu fünf Millionen Euro die Rede für den Vertrieb und die Entwicklung von Photovoltaik-Anlagen. In beiden Fällen fiel der Startschuss schon vor mehr als zwei Jahren – doch dann war erst einmal Warten angesagt.

In zwei Wochen wird Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation nach China reisen, nach Zhejiang – die Partnerprovinz Schleswig-Holsteins. Auch dann stehen die großen Geschäfte wieder auf der Tagesordnung, auch dann geht es wieder um Forschungskooperationen, Millioneninvestitionen und die Frage, wie Schleswig-Holstein von seiner Partnerschaft mit der chinesischen Provinz Zhejiang profitieren kann. „China ist nicht nur einer der größten, sondern auch einer der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt“, so Albig. Und der Sozialdemokrat ist überzeugt: „Genau hier bieten sich viele Chancen für Firmen aus Schleswig-Holstein.“

Der Medizin- und Technikhersteller Dräger aus Lübeck ist eines der Unternehmen aus dem Norden, die seit Langem auf den Markt der Volksrepublik setzen – und neben vier weiteren Firmen Besuch von Albig bekommen werden. Mit Tochtergesellschaften ist der Konzern seit fast 20 Jahren in Shanghai und Peking aktiv. 800 Mitarbeiter beschäftigen die Lübecker dort. China gilt als einer ihrer wesentlichen Wachstumstreiber. Die Perspektiven sind gut. „Die schnelle Urbanisierung und der Aufbau der Infrastruktur in China kurbeln die Nachfrage nach Sicherheitsprodukten an“, so eine Sprecherin. Die staatliche Gesundheitsreform, mit der die medizinische Grundversorgung ausgeweitet werden soll, schaffe zudem günstige Bedingungen für die Medizintechnik.

Sogar noch länger als Dräger ist Gollnest & Kiesel aus Güster (Kreis Herzogtum-Lauenburg) in Fernost aktiv. Die Spielzeugfirma, zu der Marken wie Goki, Holztiger und Heimes gehören, unterhält seit rund 35 Jahren Kontakte in die Volksrepublik, seit 2008 existieren zwei eigene Produktionen als Joint-Venture in Jiaxing, einer Millionenstadt im Norden von Schleswig-Holsteins Partnerprovinz Zhejiang. In wenigen Tagen wird dort der 1.000.000 Holzspielzeugzug gefertigt werden. Im Beisein von Albig. „China hat sich in den vergangenen Jahren nach Dänemark zum zweitwichtigsten Handelspartner Schleswig-Holsteins entwickelt“, resümiert dieser. „Außerhalb der Europäischen Union ist die Volksrepublik der wichtigste Handelspartner unseres Landes.“ Viele Hidden-Champions gebe es in Schleswig-Holstein, die in China erfolgreich seien. „Ich wünsche mir und kann mir auch gut vorstellen, dass in der Zukunft viele weitere dazukommen“, so der Ministerpräsident. Tatsächlich gibt es von Windkraftanlagen und Autozubehör über Schiffstechnik bis hin zu  Nahrungsmitteln kaum einen Bereich, in dem Firmen aus Norddeutschland nicht nach Fernost drängen. Selbst Tee wird von Schleswig-Holstein aus veredelt in die Volksrepublik geliefert. 

Mit Blick auf die zukünftigen Potenziale verweist Albig auf den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, die Investitionen von Peking in den Umweltschutz und die Entwicklungen neuer Technologien in Fernost. „Die Landesregierung will gerne Türöffner sein, denn davon profitiert unser Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Außerdem geht es darum, Firmen weiter Mut zu machen, sich in China zu engagieren.“

Sie seien eines der ersten Unternehmen aus dem Norden in China gewesen, sagt Helmut Roloff, Sprecher bei Gollnest&Kiesel. Möglicherweise seien sie auch eines der ersten, die das Land wieder verlassen. Es sind nicht zuletzt die Umweltprobleme und sozialen Konflikte, die Norddeutschlands größtem Spielzeughersteller Sorgen bereiten.

Der Markt ist rauer geworden. Die Außenhandelskammer warnt seit Längerem vor personellen Engpässen und steigenden Lohnkosten im 1,3 Milliarden Menschen zählenden Land. Viele Firmen bestätigen zudem, dass die Konkurrenz vor Ort wächst.

China sei ein „lohnender Markt“, so Albig. Es sei aber auch ein komplizierter Markt. Ein Markt, der manchmal viel Geduld erfordert. Schwarzenbek hat sich in den vergangenen Jahren nicht zur Textil-Metropole entwickelt. Nach langer Wartezeit hat das European Textile Center jedoch seinen Betrieb aufgenommen. Von 1000 neuen Jobs ist heute freilich nicht mehr die Rede. Im Fall von Neumünster wollen sich die Verantwortlichen der chinesischen Firma  King Energy demnächst erneut mit Wirtschaftsförderern aus Schleswig-Holstein über das Grundstück in der norddeutschen Stadt und die Zukunft der zuletzt stark gebeutelten chinesischen Photovoltaik-Branche unterhalten. Der Ausgang ist offen.

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