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Investitionen in Verteilernetze : SH: Netzausbau macht Strom noch teurer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Strompreis könnte sich um fast acht Prozent verteuern. Es gibt aber einen Vorschlag zur Reduzierung der Zusatzkosten.

Der geplante Ausbau der regionalen Leitungsnetze droht den Strompreis in Schleswig-Holstein und den benachbarten Bundesländern weiter in die Höhe zu treiben. Das geht aus einer neuen Studie für Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) hervor. Demnach verteuert sich das vom Verbraucher mit der Stromrechnung zu zahlende Netzentgelt demnächst deutlich – und zwar „vor allem in den Regionen Nord- und Ostdeutschland“, steht in der Studie. Auf 17 oder sogar 30 Prozent beziffern Gabriels Experten den Anstieg des Netzentgelts im Norden in den nächsten acht Jahren – je nachdem, ob die erneuerbaren Energien im Tempo der Bundesregierung ausgebaut werden oder im schnelleren Tempo, das die einzelnen Bundesländer planen. Der Strompreis würde sich dann für die Konsumenten um gut vier oder fast acht Prozent verteuern, da das Netzentgelt ein Viertel davon ausmacht.

Verursacht werden die hohen Kosten durch Investitionen in die regionalen Verteilernetze, die in den nächsten Jahren nötig werden. So müssen in deren Ausbau laut Studie bis zum Jahr 2032 je nach Szenario 23 Milliarden oder sogar 49 Milliarden Euro gesteckt werden. Dabei gehen die Experten davon aus, dass neue Leitungen im Hochspannungsnetz als Erdkabel verlegt werden.

Allerdings schlagen Gabriels Gutachter auch einen Weg vor, wie die Zusatzkosten verringert werden können. Sie empfehlen, dass die Netzbetreiber künftig öfter als bisher Windkraft- oder Solaranlagen vom Netz trennen dürfen. Obwohl Windmüller für nicht abgenommenen Strom eine Entschädigung erhalten, könne „die Berücksichtigung einer gezielten Reduktion der Einspeisung von Anlagen zu deutlichen Einsparungen beim Netzausbau führen und die Kosten um mindestens 15 Prozent senken“, schreiben die Experten. Bis zu drei Prozent der erzeugten Jahresenergie sollten daher abgeregelt werden dürfen. Dadurch würden „vor allem die zusätzlichen Netzausbaukosten im Norden und Osten reduziert.“

In Schleswig-Holstein gingen zuletzt dank des fortschreitenden Netzausbaus nur noch zwei Prozent der Windkraft verloren. Eine stärkere Abregelung würde auch nicht zu sinkenden Kosten führen, widerspricht Matthias Boxberger, Chef der Schleswig-Holstein Netz AG, den Gutachtern von Gabriel. Denn hierzulande müsse vor allem ins Höchstspannungsnetz investiert werden. Und da sehe er „keine Möglichkeit für Abstriche beim bislang beschlossenen Ausbau“.

Landesenergieminister Robert Habeck sagte, er müsse Gabriels Studie noch prüfen. „Grundsätzlich halten wir es aber für sinnvoll, wenn die Netze nicht darauf ausgelegt sein müssen, auch die letzte Kilowattstunde Strom zu transportieren“, sagte der Grünen-Politiker. Allerdings dürfe man dabei „nicht übers Ziel hinausschießen“.

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erstellt am 24.09.2014 | 06:30 Uhr

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