Krankschreibungen : SH: Krankenstand in Firmen wächst

Beschäftigte fehlen durchschnittlich 18,2 Tage. Schleswig-Holstein liegt damit nicht nur über dem Bundesdurchschnitt.

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10. Dezember 2014, 10:44 Uhr

Die Menschen in Schleswig-Holstein sind häufiger krankgeschrieben als in anderen Regionen Deutschlands. 18,2 Tage fehlten die Beschäftigten durchschnittlich im Jahr 2013. Damit lag der Norden nicht nur über Bundesdurchschnitt (17,8 Tage), sondern auch auch über den Werten des Vorjahres, als die krankheitsbedingten Ausfälle bei 16,9 Tagen lagen. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor.

Die Krankenstände in den Betrieben stiegen in den vergangenen acht Jahren sogar um durchschnittlich sechs Tage pro Beschäftigten. Nachdem die Finanzkrise einigermaßen überstanden ist, scheinen sich die Menschen auch wieder zu trauen, ihre Krankheiten auszukurieren. „Die Tendenz ist erkennbar“, sagt Thomas Fritsch vom BKK-Landesverband Nordwest. „Je größer die Angst um den Arbeitsplatz, desto eher gehen die Menschen auch krank zur Arbeit.“

Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes in Schleswig-Holstein, hat eine weitere Erklärung: „Die arbeitsplatzbezogenen Erkrankungen haben gefühlt deutlich zugenommen. Viele Menschen fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz einfach nicht mehr wohl und fallen häufiger aus.“ Ein weiterer Grund sei eine Entwicklung, die der Arzt aus Leck (Kreis Nordfriesland) durchaus kritisch sieht: „Heute wird schneller operiert als früher. Vor 30 Jahren gab es eine neue Hüfte beispielsweise frühestens mit 75 Jahren. Mittlerweile sind schon viele Menschen, die noch im Arbeitsleben stehen, davon betroffen. Und die fehlen dann lange.“

Der Trend ist klar: Dass der Krankenstand in den Betrieben steigt, zeigen auch die Zahlen anderer Krankenkassen. Allerdings variieren die Fehlzeiten. Die AOK-Versicherten im Norden waren im Schnitt 19,6 Tage krankgeschrieben, die DAK-Versicherten lagen mit 14,4 Tagen deutlich darunter.

Große Unterschiede sind unter den Kreisen und Städten in Schleswig-Holstein zu erkennen. Signifikant unter dem Landesdurchschnitt lagen die krankheitsbedingten Fehltage in der Stadt Flensburg (14,4 Tage) und in Nordfriesland (16,3 Tage). Deutlich überdurchschnittlich lang waren die Kassenmitglieder in den Städten Neumünster (22,4 Tage) und Lübeck (21,9 Tage) sowie im Kreis Ostholstein (20,7 Tage) krank. „Es gibt die lang existierende Vermutung, dass in den Regionen, in denen eine geringe Ärztedichte vorhanden ist, auch weniger Krankschreibungen vorliegen. Das zeigt das Beispiel Nordfriesland“, erklärt Fritsch. Flensburg hingegen sei eher ein Ausreißer.

Nach wie vor sorgen Muskel-und Skeletterkrankungen wie Rückenschmerzen mit etwa einem Viertel der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) für die meisten Fehlzeiten bei den Pflichtmitgliedern. Ihnen folgen psychischen Erkrankungen (18 Prozent) und Atemwegserkrankungen (14 Prozent). Gerade bei den psychischen Störungen sind die höchsten Steigerungsraten zu beobachten. „In diesem Bereich ist eine signifikante Zunahme festzustellen“, erklärt Fritsch. Heute würden psychische Erkrankungen aber auch besser erkannt. „Vor 20 Jahren kannte doch niemand den Begriff Burn-out.“ Dennoch scheinen die Menschen im Norden psychisch am labilsten zu sein. So weist Schleswig-Holstein bei den psychischen Erkrankungen mit durchschnittlich drei Tagen je BKK-Mitglied mehr als zwei Drittel höhere Fehlzeiten auf als Baden-Württemberg mit 1,8 Tagen.

Durchschnittliche Krankheitstage 2013 (Quelle: BKK-Landesverband Nordwest):

Neumünster 22,4
Lübeck 21,9
Ostholstein 20,7
Plön 19,5
Kiel 18,3
Steinburg 18,3
Schleswig-Flensburg 18,3
Segeberg 18,2
Pinneberg 17,6
Rendsburg-Eckernförde 17,4
Stormarn 17,1
Dithmarschen 17,1
Herzogtum Lauenburg 17,0
Nordfriesland 16,3
Flensburg 14,4
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