Hochschul-Absolventen : SH beim Berufseinstieg für Studenten wenig attraktiv

Ist der Hochschulabschluss in der Tasche, hält es nur wenige im Norden.
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Ist der Hochschulabschluss in der Tasche, hält es nur wenige im Norden.

Jeder Zweite Absolvent rechnet damit, für den Berufseinstieg in ein anderes Bundesland umziehen zu müssen. Bayern steht bei vielen hoch im Kurs.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
02. Januar 2015, 06:53 Uhr

Hamburg/Kiel | Für Studenten ist Schleswig-Holstein beim Berufseinstieg nicht die erste Wahl. Stattdessen zieht es sie vor allem nach Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Ernst&Young hervor. Demnach sehen mehr als sechs von zehn Studenten (62 Prozent) Bayern als ideales Pflaster für den eigenen Berufseinstieg. Dem Norden bescheinigen hingegen gerade einmal zwei Prozent der Befragten gute Perspektiven für den Einstieg ins Erwerbsleben. In Westdeutschland schneiden nur Saarland und Bremen (beide ein Prozent) noch schlechter ab. Dessen ungeachtet liegen die Studenten in Schleswig-Holstein mit ihrem Gehaltswunsch bundesweit auf Platz sechs. 35.000 Euro erwarten Hochschul-Absolventen im Norden beim Berufseinstieg im Jahr zu verdienen.

Die Autoren der Studie warnen, dass strukturschwache Regionen beim Thema Fachkräfte abgehängt werden könnten. „Die Starken werden stärker, die Schwachen schwächer“, so E&Y-Expertin Ana-Cristina Grohnert. Denn die Uni-Absolventen sind sehr mobil. Die Hälfte aller Studenten in Schleswig-Holstein (50 Prozent) geht demnach davon aus, für den Berufseinstieg innerhalb Deutschlands umzuziehen. Im Bundesschnitt sind es gerade einmal 38 Prozent. In Hamburg denkt gerade noch jeder Fünfte (20 Prozent) an die Möglichkeit eines Umzugs.

Grohnert gibt allerdings zu bedenken, dass auch Arbeitsmärkte in den Top-Metropolen der Republik nur begrenzt aufnahmefähig seien. Zudem unterschätzen viele Berufseinsteiger die Nachteile der Metropolen – hohe Mieten, hohe Lebenshaltungskosten, wenig Platz für sich und die Familie.

Dass Schleswig-Holstein zudem auch schon vor dem Berufseinstieg bei Studenten an Attraktivität verliert, impliziert ein Blick auf die Zahl ausländischer Studenten an Deutschlands Hochschulen. Zahlen des Landesamts für Statistik in Niedersachsen zufolge fällt die Quote der Bildungsausländer an den Hochschulen so gering aus wie in Mecklenburg-Vorpommern (4,8 Prozent) und Schleswig-Holstein (5,5 Prozent). Zum Vergleich: In Niedersachsen kamen 2012 sieben Prozent der Studierenden aus dem Ausland, in Bremen sind es 10,6, in Berlin sogar 13,1 Prozent.

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