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Kommentar : Selbstverordnete Blockade

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hamburg und Schleswig-Holstein müssen gemeinsam für eine bessere Infrastruktur im Norden streiten – nicht nur bei neuen S-Bahn-Linien. Ein Kommentar von Helge Matthiesen.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 07:36 Uhr

Es wäre doch schön, wenn sich Schleswig-Holstein und Hamburg nicht nur beim Ausbau der S-Bahn im Hamburger Umland zusammentun, um gemeinsam etwas zu erreichen. Grund dafür gibt es genug, denn Schleswig-Holstein rutscht gerade immer tiefer in eine Krise, deren Folgen für das ohnehin wirtschaftlich nicht besonders kräftige Land noch gar nicht abzusehen sind. Die Spediteure sind in der Lage, Zahlen zu nennen, was sie die Versäumnisse in Sachen Straßenreparatur kurzfristig kosten. Diese Beschwerde markiert jedoch nur einen Teil des Problems – den kleineren Teil. Der Schaden für den Standort insgesamt ist deutlich größer. Konkret wird niemand sagen können, wie viele Firmen sich am Ende gegen einen Standort im Norden entscheiden, weil sie nicht mehr glauben, dass die Wege in und durch das Land vernünftig funktionieren. In der Zahl fehlen auch die stornierten oder gar nicht erst zustande gekommenen Geschäfte, weil Firmen zu spät, zu unzuverlässig oder wegen der langen Wege zu teuer liefern. Kurzfristig ist an der Situation nichts zu ändern. Das zerstörte Vertrauen lässt sich nur auf längere Sicht wieder aufbauen. Ob eine Kampagne mit dem inhaltsfreien Spruch vom „echten Norden“ dabei hilft? Werbung oder geschickte Öffentlichkeitsarbeit ändern an den harten Fakten gar nichts.

Was also tun? Helfen können nur neue Querungen des Kanals und der Elbe, die die Abhängigkeit des Landes von wenigen Bauwerken beseitigen. Die Realisierung einer A20 und einer neuen Kanalquerung wird Jahre dauern. Wenn sich die Landesregierung jedoch endlich dazu entschließen könnte, die selbstverordnete Blockade aufzulösen und das Thema offensiv anzugehen, dann würde schon ein Stück Vertrauen zurückkehren. Eine bessere Öffentlichkeitsarbeit für dieses zentrale Interesse des gesamten Landes gibt es nämlich gar nicht. Bisher fehlt ein deutliches öffentliches Signal, dass man in Kiel die Brisanz der Lage überhaupt verstanden hat. Hamburg und Schleswig-Holstein sitzen dabei in einem Boot, denn auch die Hansestadt hat ein Dauerproblem mit der Erreichbarkeit auf der Straße. Es wird in den kommenden Jahren schlimmer werden. Hier öffnet sich ein breites Betätigungsfeld für gemeinsame politische Initiativen. Man muss es nur nutzen.

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