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Julius Bär : Schweizer Banken nehmen Schleswig-Holstein ins Visier

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vermögensverwalter der Schweiz stoßen in den Norden vor – inzwischen gibt es Geschäftsstellen in Hamburg und Kiel.

Hamburg/Kiel | Diese Bank hat keinen Schalterraum, keine Kundenhalle und keine Reklame für Girokonten in den Fenstern. Wer bei Julius Bär am Neuen Wall 80 in Hamburg den Klingelknopf drückt, zählt nicht zur Laufkundschaft. Und: Wer hier den Klingelknopf drückt, hat ein ansehnliches Vermögen aufgebaut.

Neuhochdeutsch wäre wohl von Understatement die Rede. Julius Bär gibt sich zurückhaltend. Fast schon verschlossen. Die Privatbank gilt als zweitgrößter reiner Vermögensverwalter der Schweiz – und sie ist auf Expansionskurs in Hamburg und Schleswig-Holstein. „Der Norden entwickelt sich äußerst positiv“, sagt Sven Nykamp, Leiter der Julius-Bär-Niederlassung in Hamburg und zugleich mitverantwortlich für Schleswig-Holstein.

Die Schweizer Finanzindustrie ist ein internationales Schwergewicht, bei der Vermögensverwaltung bilden die Institute aus dem kleinen Staat sogar die Weltspitze. 51 Prozent ihrer Kunden kommen dabei aus dem Ausland. Ein Viertel des grenzüberschreitenden Private Bankings erfolgt einer Studie zufolge durch Schweizer Institute – und zunehmend gehen die eidgenössischen Geldhäuser in Deutschlands Norden auf Kundensuche.

Julius Bär ist da kein Einzelfall. Auch bei der Schweizer Vontobel wird die Rolle Deutschlands betont. 2009 hat sie ihre Niederlassung in Hamburg eröffnet. Zwei Jahre zuvor hatte die Credit Suisse ihren Standort in der Hansestadt bereits erweitert und zusätzliches Personal aufgebaut. Die Schweizer Privatbank Sarasin Bank folgte 2012 mit einer Niederlassung. Julius Bär ist seit 2006 in Hamburg vertreten – und stößt seitdem noch stärker in den Norden vor. 2011 folgte eigens eine Geschäftsstelle in Kiel. „Ab und zu werde ich in Hamburg von anderen Bankern gefragt, warum wir eine Geschäftsstelle in Kiel haben. Ich bin froh, wenn sie diese Frage stellen und muss immer etwas drüber lächeln. Denn sie sollen ruhig in Hamburg bleiben.“

Zurückhaltung. Das gilt bei Julius Bär auch da, wo es konkret wird. „Wir sind, was die Anzahl der Kunden betrifft, bei einer guten vierstelligen Zahl“, sagt Heiko Schlag, Vorstandsvorsitzender des Europa-Geschäfts bei der Privatbank. Rund ein Fünftel davon sei in Norddeutschland beheimatet. Die Erträge wüchsen sehr stark, so Schlag und erklärt weiter: „Wir haben Wachstum im deutschen Markt – gerade auch in Schleswig-Holstein. Das liegt daran, dass die Mittelständler in der Region sehr erfolgreich sind und weltweit durch Exporterfolge dann auch hier Vermögen generiert wird.“ Gerechnet auf 31. Juli des Jahres seien die Erträge um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Probleme macht Nykamp und Schlag beim Ausbau der Geschäfte im Norden letztlich nur das Personal. „Es fehlen uns keine Leute, um unser bestehendes Geschäft zu betreiben“, versichert Schlag. Doch: „Wenn wir an weitere Expansion denken, dann ist unser Flaschenhals die Verfügbarkeit gewisser Betreuerpersönlichkeiten.“ Denn dem Vorstandsvorsitzenden zufolge suche die Bank keine „Produktverkäufer“, zu denen viele Bankbetreuer „in der Vergangenheit umerzogen“ worden seien – „solche Leute passen nicht zu uns“.

Dass ausgerechnet eine Schweizer Bank im Norden ihre Chance sieht, wundert Nykamp – selbst gebürtiger Norddeutscher – nicht. „Ich glaube schon, dass man eine gewisse Seelenverwandtschaft hat, was die Werte angeht“, sagt er. Norddeutschland und die Schweiz – aus Sicht der Banker gebe es da viele Ähnlichkeiten. Und Vorstandschef Schlag ergänzt: „Den Schweizer nimmt man als sehr beständig, wertkonservativ wahr.“ Und dürfte das nicht oftmals auch für das das Bild vom Norddeutschen gelten?

 

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erstellt am 06.Okt.2014 | 07:49 Uhr

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