Windmesse : Schweigen in Husum und Hamburg

Die Leitmesse der Branche brachte 1150 Aussteller im Jahr 2012 nach Husum. Foto: dpa
Die Leitmesse der Branche brachte 1150 Aussteller im Jahr 2012 nach Husum. Foto: dpa

Im Streit um die Windmesse sieht Husums Messechef Peter Becker kaum noch Chancen auf eine Einigung mit Hamburg. Wirtschaftsminister Meyer hofft auf eine Lösung.

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05. April 2013, 09:44 Uhr

Husum | Im Streit um den künftigen Standort der Windenergiemesse ist nach Einschätzung des Husumer Messechefs Peter Becker eine Einigung mit Hamburg nicht in Sicht. "Grundvoraussetzung ist, dass es 2014 nur eine Windmesse gibt, und zwar in Husum", sagte Becker am Mittwoch. "Wenn das kein Konsens sein kann, dann gibt es keine weiteren Verhandlungsoptionen." Das letzte Gespräch mit der Hamburger Messegesellschaft liege mehrere Wochen zurück. "Irgendwann ist die Zeit gekommen zu sagen, es hat keinen Wert mehr - und wir stehen kurz davor."

CDU-Landtagsfraktionschef Johannes Callsen meinte, "dieser letzte öffentliche Hilferuf muss ganz besonders Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wehtun". Dieser höre nicht auf, in seinen Reden die gute Nachbarschaft mit Hamburg zu preisen. Währenddessen bewege sich die Hamburger Messegesellschaft mit dem Segen des Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) "keinen Millimeter". Vertreter der SPD/Grünen/SSW-Landesregierung hätten immer wieder behauptet, eine Kompromisslösung sei in greifbarer Nähe. Auch SPD-Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner habe vor nicht einmal vier Wochen erklärt, eine Einigung sei nur noch eine Sache von Tagen. "Heute erfahren wir vom Husumer Messechef, dass seit Wochen keine Einigungsgespräche mehr stattgefunden haben", kritisierte Callsen. Das zeige, welche geringe Priorität die Regierung Albig dieser weltweiten Leitmesse der Windenergie einräume.

500 feste Buchungen für Husum

Becker kündigte an, dass Husum in Zukunft auf eine noch stärkere Kooperation mit der Messe Hannover setzt. Er gehe fest davon aus, dass nach 2014 in Husum die Windenenergiemesse stattfinden werde. "Für 2014 sind wir mit mehr als 500 festen Buchungen sehr gut gebucht, das sind etwa zwei Drittel der Fläche von 2012 von 58.000 Quadratmetern", sagte Becker. Angesichts der Situation sei dies exzellent. Sollte die Hamburger Wind Energy wie bisher geplant zeitgleich zur Husum Wind vom 23. bis 26. September 2014 laufen, rechne er in Husum mit mindestens 800 Ausstellern. Dies wäre noch ein gutes Niveau. 2012 hatte die alle zwei Jahre veranstaltete Leitmesse der Branche 1150 Aussteller in Husum angezogen - allerdings ohne Konkurrenz in Hamburg.

Die Messegesellschaft Hamburg, deren Träger die Hansestadt selber ist, hatte im Herbst 2011 angekündigt, ab 2014 zeitgleich zur Husumer Messe eine eigene Windenergiemesse zu veranstalten. Nach Angaben eines Sprechers der Hamburg Messe vom Mittwoch haben bisher 400 Aussteller für die Wind Energy 2014 gebucht, 85 Prozent der geplanten Ausstellungsfläche von 65 000 Quadratmetern seien schon vergeben wegen teils sehr großer Aussteller.

Gemeinsame Planung als Kompromiss?

"Was die Gespräche mit Hamburg angeht, ist derzeit keine Bewegung zu sehen - das läuft eher unter dem Motto "still ruht der See"", sagte Becker. "Wir sind auf der Suche nach strategischen Partnern, die die internationale Windleitmesse Husum mit uns begleiten. In den nächsten zehn Jahren sehen wir sehr gute Perspektiven hier in Husum, und dann gilt es auf die langfristigen Entwicklungen des Marktes zu achten." Der Sprecher der Hamburg Messe wollte den Gesprächsstand nicht kommentieren, da Vertraulichkeit vereinbart worden sei.

Eine Aufsplittung in zwei zeitgleiche Windmessen habe wenig Sinn, räumte Becker ein. Ein Kompromiss könnte seiner Meinung nach nur darin bestehen, "dass eine Veranstaltung langfristig gemeinsam geplant wird mit vertrauensbildenden Maßnahmen, mit entsprechenden Parametern, wo beide Messegesellschaften beteiligt sind und langfristig die Messe nach den Branchenbedürfnissen machen".

Der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) ist "nach wie vor davon überzeugt, dass eine gemeinsame Lösung Husum-Hamburg der beste Weg für Norddeutschland wäre. Aber diese Lösung muss jetzt schnell kommen, damit alle planen können, wie esweitergeht", sagte Meyer.

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