„Thiel Foundation Summit“ in San Francisco : Schüler mit Unternehmergeist: Von Bredenbek ins Silicon Valley

Der Abiturient Raoul Plickat.
Der Abiturient Raoul Plickat.

Ein Norddeutscher Schüler reist mit seinem Start-Up „Wooya“ zur Gründerkonferenz nach Amerika – auf Einladung von US-Investoren.

shz.de von
22. Mai 2015, 18:40 Uhr

Bredenbek | Andere in seinem Alter denken über das Abitur, die Ausbildung und das Studium nach. Ein Schüler aus Bredenbek gründet stattdessen ein Unternehmen nach dem anderen – und erweckt damit zunehmend das Interesse von Investoren aus dem Silicon Valley, dem Mekka der Online-Szene in den USA. Als einziger Deutscher ist Raoul Plickat mit seinem Start-up-Unternehmen Wooya zum diesjährigen „Thiel Foundation Summit“ nach San Francisco eingeladen – einer Gründer-Konferenz der Spitzen-Klasse. Zutritt hat nur, wem die Stiftung des US-Investors Peter Thiel den Segen gibt.

Wooya ist nicht Plickats erster Gehversuch in der Unternehmenswelt. Der Schüler hat mit Gründungen bereits Erfahrungen. 2013 brachte er eine Sportkollektion auf den Markt, ließ T-Shirts in China herstellen und baute eine erste kleine Firma auf. Der große Erfolg blieb aber aus. „Man hat sich so ein bisschen auf der Stelle bewegt“, sagt er heute. Plickat entschied sich also dafür, das Unternehmen einzustampfen – und sich auf neue Projekte zu konzentrieren. „Natürlich sehe ich das als Scheitern“, räumt er ein. Doch er habe es „aus eigener Kraft beendet“ – und daraus gelernt. „Das Leben an sich ist wertneutral.“

Peter Thiel kennt sich aus mit dem Scheitern. Er hat in seinem Leben schon viele Unternehmen gegründet – und viele gegen die Wand gefahren. Drei Firmen hat Thiel allein zu Anfang als Gründer in die Insolvenz geschickt. Von Nummer vier sagte er einmal, das Unternehmen habe überlebt, sei aber „keine großartige Geschichte“ gewesen. Unternehmen Nummer fünf war Paypal – jener Online-Zahlungsdienst, den heute Millionen von Verbraucher rund um den Erdball zum Shoppen im Internet nutzen. Für 1,5 Milliarden Dollar hatte das Auktionshaus Ebay Thiel und seinem Partner Paypal abgekauft – seitdem hilft er Nachwuchsunternehmern aus aller Welt, es ihm gleich zu tun. Als Investor steckte der gebürtige Frankfurter in der Vergangenheit schon hinter dem Erfolg von Unternehmen wie dem Online-Netzwerk Facebook, der Zimmervermittlungsplattform AirBnB oder dem Musik-Streaming-Dienst Spotify.

Vier Beschäftigte zählt Wooya derzeit. Das Unternehmen entwickelt automatisierte, auf das Benutzerverhalten abgestimmte Vertriebslösungen für das Internet. Im Kern geht es darum, zum Beispiel Werbung von Online-Shops passgenau auf die Kunden abzustimmen.

Die Konferenz der Investoren-Legende Thiel ist auch ein Wettbewerb. Gründer dokumentieren im Vorfeld der Veranstaltung den Werdegang, die ersten Entwicklungsschritte ihres Unternehmens. Legen Rechenschaft ab. Das Versprechen: Wer überzeugt, erhält ein Stipendium über 100.000 US-Dollar, um damit seine Ideen zu verwirklichen. Als Stipendiat kommt Plickat wohl nicht in Frage, wie er einräumt. Bei der Bewerbung war er 20 Jahre alt – jetzt ist er 21 Jahre. Zu alt für das Thiel-Stipendium.

Als Chance sieht der Schüler den Trip im Juni dennoch. „Es werden viele sehr interessante Leute dabei sein.“ Auch Investoren. Doch Plickat winkt ab. „Ich suche momentan keinen Kapitalgeber für meine Idee“, sagt er. „Ich suche Leute, mit denen ich zusammen wachsen kann.“

In den kommenden Tagen muss Plickat seine mündliche Abitur-Prüfung ablegen. Dann geht es nach Dubai – Gedankenaustausch mit einem Investor. Anschließend fliegt er weiter in die Vereinigten Staaten.

Dubai, San Francisco – Kiel, Bredenbek. Die Kontraste könnten kaum größer sein. Im Leben als Schüler steckt Plickat mitten im Abitur. Seine schriftliche Prüfung hat er Anfang des Jahres abgelegt. „Studium steht bei mir nicht auf dem Plan“, sagt der 21-Jährige. „Ich sehe Wooya nur als Zwischenschritt an.“

Derzeit sucht das Start-up nach Büro-Räumen – vielleicht in Süddeutschland, wo der größte Wooya-Kunde seinen Sitz hat. Vielleicht in Berlin. Dem deutschen Mekka der Online-Start-up-Szene.

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