zur Navigation springen

Aktuelle Studie : Schleswig-Holstein profitiert vom sinkenden Gaspreis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Norddeutschland konnten sich Verbraucher über den zweitstärksten Preisrückgang freuen.

Kiel/Lübeck/Hamburg | Im Großhandel sinkt der Gaspreis seit Jahren. Profitiert haben Verbraucher anfangs kaum von dieser Entwicklung. Doch zumindest in Norddeutschland hat sich das Bild inzwischen geändert. Die Rückgänge bei den Verbraucherpreisen für Erdgas waren in kaum einem Bundesland zuletzt so groß wie in Schleswig-Holstein. Das geht aus einer aktuellen Studie des Hamburger Beratungsbüros EnergyComment hervor, die im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellt wurde.

Demnach gingen die Verbraucherpreise für Erdgas in diesem Jahr im nördlichsten Bundesland bei Tarifen für einen Durchschnittshaushalt (20.000 Kilowattstunden im Jahr) um 0,67 Cent pro Kilowattstunde zurück. Nur in Hamburg fiel die Ersparnis mit 0,86 Cent noch größer aus. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt lag der Rückgang laut Studie bei 0,41 Cent – inklusive Mehrwertsteuer. Hätten die Versorger ihre Einkaufsvorteile durch niedrigere Beschaffungskosten weitergegeben, hätte der Rückgang laut Studie 0,56 Cent betragen müssen.

Bei den Versorgern werden solche Verweise seit jeher kritisch gesehen. „Zunächst ist wichtig festzuhalten, dass der Endkundenpreis nicht einmal mehr zur Hälfte von den Beschaffungskosten abhängt“, sagt ein Sprecher des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Auf externe Kosten wie die Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen hat der Gaslieferant keinerlei Einfluss“, fügt er hinzu.

Durch den Rückgang der Preise hat sich Schleswig-Holstein zu einem der günstigen Standorte für Gaskunden entwickelt. 2014 und 2015 lag das Land mit einem Durchschnittspreis von 6,74 beziehungsweise 6,58 Cent pro Kilowattstunde über dem Bundesschnitt. Inzwischen liegt es mit 5,91 Cent darunter, nur Hamburg, Bremen und Berlin sind günstiger. „Wir haben im Norden einen Vorteil“, sagt ein Sprecher Stadtwerke Lübeck, die als einer von mehreren Versorgern im Land die Gaspreise gesenkt haben. So gehört Schleswig-Holstein zu jenen Regionen, die mit dem hochwertigeren „H“-Gas versorgt werden. In anderen Teilen der Republik müssen Leitungen hingegen von der L- auf die H-Gas-Versorgung umgestellt werden – das kostet Geld und treibt die Netzentgelte in die Höhe. Vor allem sieht der Sprecher aber die Einkaufspolitik der Unternehmen als entscheidend an.

„Der Trend bei der Preissenkungen in den letzten beiden Jahren ist erfreulich und ein Anfang“, sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn mit Blick auf die bundesweiten Zahlen. Noch immer seien die Einkaufspreise aber nicht „gänzlich bei den privaten Haushalten angekommen“. Beim BDEW wird hingegen auf die „große Akteursvielfalt und hohe Wettbewerbsintensität“ verwiesen. „Dementsprechend haben die Verbraucher die Möglichkeit, den Anbieter mit dem für sie besten Preis-Leistungs-Verhältnis auszuwählen.“ Auch EnergyComment Autor Steffen Bukold hält fest, dass der Wettbewerb funktioniere – er aber nicht ausreichend genutzt werde. „Den Verbrauchern bleibt nur der Weg, die Tarife der Anbieter sorgfältig zu vergleichen.“

Erdgaspreise 2016 im Vergleich:

Bundesland Durchschnittspreis in Eurocent pro Kilowattstunde*
Baden-Württemberg 6,20
Bayern 5,91
Berlin 5,50
Brandenburg 6,03
Bremen 5,76
Hamburg 5,37
Hessen 6,01
Mecklenburg-Vorp. 6,44
Niedersachsen 5,93
Nordrhein-Westfalen 6,27
Rheinland-Pfalz 6,21
Saarland 6,94
Sachsen 6,20
Sachsen-Anhalt 6,60
Schleswig-Holstein 5,91
Thüringen 6,54

* Privathaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 KWh pro Jahr

Quelle: EnergyCpmment/Verivox

 

zur Startseite

von
erstellt am 28.Dez.2016 | 08:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen