Arbeitsmarkt : Schleswig-Holstein - "Gesundheitsland Nr. 1"

Dramatische Probleme bereitet der Mangel an Altenpflegern. Foto: dpa
Dramatische Probleme bereitet der Mangel an Altenpflegern. Foto: dpa

Viele Arbeitsplätze im Norden entstehen im Gesundheitsbereich. Dieser "Wachstumsmotor" dürfte weiter brummen - doch in der Altenpflege drohen dramatische Verhältnisse.

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04. Januar 2012, 09:46 Uhr

Kiel | Schleswig-Holstein ist bundesweit das "Gesundheitsland Nummer 1". Das gelte jedenfalls für den Anteil der Beschäftigten in der Gesundheitswirtschaft, erläuterte Volker Kotte vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung - eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit - am Dienstag in Kiel. 16,8 Prozent aller Beschäftigten im Norden arbeiteten in diesem Bereich, während es in Hamburg als bundesweitem Schlusslicht lediglich 11,9 Prozent seien.
Dabei hat sich der Gesundheitsbereich als Wachstumsbranche erwiesen, wie Kotte in seiner vorgestellten Studie "Gesundheitswirtschaft in Schleswig-Holstein - Leit- und Zukunftsbranche für den Arbeitsmarkt" belegt: Die Zahl der Beschäftigten (ohne Azubis) stieg zwischen 2000 und 2010 um 16,4 Prozent. Konkret bedeutete dies 18.100 zusätzliche Arbeitsplätze. Dagegen herrschte in allen Branchen eher Stagnation mit lediglich 0,3 Prozent mehr Beschäftigten.
"Die wachsende Zahl alter Menschen wird mehr Beschäftigung erzwingen"
Der Chef der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Jürgen Goecke sieht auch in Zukunft besondere Arbeitsmarktchancen für den Gesundheitsbereich. Dies gelte insbesondere durch die Vernetzung mit dem Tourismus. Voraussetzung sei aber qualifiziertes Personal.
Dramatische Probleme bereite der Mangel an Altenpflegern, der sich angesichts des demografischen Wandels noch weiter zuspitzen werde. Dies liege insbesondere daran, dass es längst nicht genügend schulische Ausbildungsplätze für Altenpfleger gebe - in Schleswig-Holstein lediglich 1330. "Wir brauchen deutlich mehr, das gilt aber nicht nur für Schleswig-Holstein, sondern auch für andere Bundesländer."
Arbeitslose ließen sich wegen der bestehenden Gesetze praktisch nicht umschulen zu Altenpflegern. Denn die Ausbildung dauere drei Jahre, die Bundesagentur dürfe aber nur maximal zwei Jahre Ausbildung bezahlen. Altenpfleger sei der einzige Beruf, dessen Ausbildung sich nicht auf zwei Jahre verkürzen lasse, kritisierte Goecke. "Die wachsende Zahl alter Menschen wird mehr Beschäftigung erzwingen, wie das aber gestaltet und finanziert wird, ist eine offene Frage."

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