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Ausbildungsberufe : Schleswig-Holstein gehen die Lehrlinge aus

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Allein schon zahlenmäßig reichen die Bewerber nicht aus, um alle Lehrstellen zu besetzen. Doch auch die Ausbildungsreife sei mangelhaft, beklagen Unternehmen.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 12:50 Uhr

Kiel/Berlin | Der Wirtschaft gehen die Bewerber um eine Lehrstelle aus - vor allem im alten Bundesgebiet. Dem Berufsbildungsbericht der Bundesregierung zufolge wird die Zahl der Schulabgänger mit und ohne Abitur in den kommenden zehn Jahren im Westen von gut 780.000 (2014) auf unter 600.000 (2024) sinken. Im Osten wird sich die Zahl bei etwa 110 000 Abgängern pro Jahr einpendeln. Das ist weniger als die Hälfte als noch 2000. Das Nachsehen haben die Betriebe, die immer händeringender nach Auszubildenden suchen.
Gegenwärtig stehen nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Norden 14.150 Bewerber für Berufsausbildungsstellen 14.486 Lehrstellen gegenüber. Schon rein rechnerisch fehlen dem Norden damit mehr als 300 Bewerber. Im vergangenen Jahr kamen 13.519 Bewerber auf 14.702 Lehrstellen. Vor allem die Nachfrage nach Köchen und Verkäufern ist demnach groß. "Wir wissen von unseren Befragungen, dass die Betriebe beim Thema Ausbildung eine hohe Priorität setzen", sagt Hans Joachim Beckers, Ausbildungsspezialist bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) Schleswig-Holstein. Das Thema Fachkräftesicherung hätten die Betriebe vor Augen. Wie gravierend dieser ist, zeigt eine aktuelle Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), derzufolge es inzwischen in 111 Berufen an Fachkräften mangelt. Dabei fehlt nicht nur Nachwuchs, Experten wie Beckers beklagen vor allem die Qualität der vorhandenen Bewerber. "Die erste Pisa-Untersuchung war 2001, eine nennenswerte Verbesserung des Leistungsniveaus ist nicht ersichtlich." Aus Sicht der Betriebe seien die jungen Leute nicht belastbar, Rechenfähigkeiten fehlten, es mangle an Disziplin.

500 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt


Zuletzt konnten 18 Prozent der IHK-Betriebe in Schleswig-Holstein ihre Lehrstellen nicht besetzen. Von 2008 bis 2012 ist die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge um fast sechs Prozent auf zuletzt 11.164 Verträge zurückgegangen. Für dieses Jahr rechnet die IHK erneut mit einem Minus. Bundesweit sank die Zahl der Ausbildungsverträge in 2012 auf 551.000 Stück - den niedrigsten Wert seit 2005.
Noch gravierender ist die Situation im Handwerk. Laut Handwerkskammer Lübeck konnten im vergangenen Jahr 500 Lehrstellen im schleswig-holsteinischen Handwerk nicht besetzt werden.
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