zur Navigation springen

Wohnungsbau : Schleswig-Holstein – ein Land im Bau-Fieber

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit 2000 wurden noch nie so viele neue Wohnungen in SH genehmigt wie jetzt. Die Branche stößt an ihre Grenzen.

Kiel | Der Boom am Bau hält an. Die Zahl erteilter Baugenehmigungen steuert auf Rekordhöhen zu – und lässt die Branche bei ihren Kapazitäten immer stärker an die Grenzen stoßen. Fehlendes Personal und die Bauvorschriften bremsen sie aus.

Nach Zahlen des Statistikamtes Nord in Kiel, die dem sh:z vorliegen, wurden zwischen Januar und Oktober dieses Jahres 13.263 neue Wohnungen in Schleswig-Holstein genehmigt. Das entspricht einem Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – und ist mehr als bundesweit hinzukam. Zugleich ist es der höchste Wert für den besagten Monatszeitraum seit mehr als 16 Jahren – einem Einbruch der Zahlen im August zum Trotz. In ganz Deutschland zählte das Statistische Bundesamt mit 308.700 Genehmigungen für neue Wohnungen so viele wie zuletzt in den ersten zehn Monaten des Jahres seit 1999.

Bei den Genehmigungen ist es zuletzt nicht geblieben. Der Auftragseingang der Betriebe ist gut. Aus Sicht jener, die bauen lassen, schon zu gut. Denn die Auftragsvorlaufzeiten nehmen nach Branchenangaben zu. Es fehlt an Personal, das die Aufträge auch abarbeiten kann.

Zwar zählte das Statistikamt Nord zuletzt mehr Betriebe und mehr Beschäftigte im Bauhauptgewerbe im Land als noch vor einem Jahr, allein die Zahl der Beschäftigten stieg von Juni zu Juni um vier Prozent auf zuletzt fast 25.800. Allerdings arbeiten heute weit weniger Menschen auf dem Bau als in früheren Jahrzehnten, wie Georg Schareck beim Bauhauptgewerbeverband Schleswig-Holstein vorrechnet. Weniger Betriebe mit weniger Personal würden dem Hauptgeschäftsführer zufolge heute einen höheren Umsatz fahren. Hohe Vorfertigungsgrade der Bauteile und moderne Technik würden das ermöglichen. Zugleich: Ohne Personal und ohne Fachkräfte geht es nicht. Und da drückt der Schuh. „Wir haben ein Ausbildungs- und Fachkräfte-Problem, das auf uns zuläuft“, warnt Schareck deshalb. Nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit seien Betriebe vorsichtig mit der Einstellung weiterer Beschäftigter geworden – trotz des hohen Eingangs an Aufträgen. Zudem gibt er zu bedenken, dass die Fachkräfte für den Bau auch ausgebildet werden müssen – mit einem Vorlauf von drei bis vier Jahren. Doch bereits heute erreichen die Betriebe nicht die Ausbildungsquoten, die notwendig wären.

Erneut warb Schareck auch dafür, Bau-Vorschriften zu entschlacken und nicht mehr für „die Ewigkeit“ zu bauen, sondern für den Bedarf. Die Idee dahinter: Die Baukosten würden gedrückt, schnelleres Bauen möglich gemacht. „Das wäre für uns in Deutschland eine völlig neue Ausrichtung des Bauens“, sagt Schareck. Ein Hinweis ist ihm bei alledem jedoch wichtig: Bauherren sollten auf die Qualität der Betriebe achten. Auch diese Schattenseite hat der Boom nämlich – er lockt schwarze Schafe an.

Genehmigungen für Wohnungen in Wohn- und Nicht-Wohngebäuden in Schleswig-Holstein:

Jan. bis Okt. im Jahr Baugenehmigungen
2016 13.263
2015 10.280
2014 10.016
2013 9857
2012 8700
2011 7929
2010 6959
2009 6556
2008 6122
2007 6014
2006 8434
2005 7435
2004 8927
2003 10.131
2002 8565
2001 9700
2000 11.232

Quelle: Statistikamt Nord

zur Startseite

von
erstellt am 16.Dez.2016 | 21:21 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen