Grüne Woche in Berlin : Schleswig-Holstein-Abend: Habeck und die Bauern

Ein Quiz der besonderen Art: Moderator Carsten Kock und seine Mitspieler Robert Habeck (l.) und Werner Schwarz (r.).
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Ein Quiz der besonderen Art: Moderator Carsten Kock und seine Mitspieler Robert Habeck (l.) und Werner Schwarz (r.).

Auf dem Schleswig-Holstein-Abend in Berlin kamen sich die Bauern und Minister Habeck ein wenig näher.

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20. Januar 2015, 07:02 Uhr

Berlin | Wenn sich Vertreter des Bauernverbandes und Landwirtschaftsminister Robert Habeck gegenübersitzen, kann es ungemütlich werden. Zu weit liegt man in der Beurteilung zahlreicher Details in der Agrarwirtschaft auseinander. Nicht nur, was die Knickpflege angeht. Es knirscht dann in beiden Lagern. Hinter verschlossenen Türen soll es schon mehrfach laut geworden sein. Am traditionellen Schleswig-Holstein-Abend im Rahmen der Grünen Woche aber stehen alle Türen offen. Rund 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft, darunter das halbe Kieler Kabinett mit Ministerpräsident Torsten Albig an der Spitze und auch zahlreiche bodenständige Landwirte, haben den Festsaal des Hotels Steigenberger unweit des Kurfürstendamms wie an jedem ersten Sonntag der Agrarmesse fest im Griff. Wer hier mitreden will, muss sich nicht nur mit den ins Trudeln geratenen Schweinepreisen auskennen. Stehvermögen ist gefragt. Nicht nur beim Verzehr von Kümmerling, Korn und Pharisäer.

Sie sitzen Tisch an Tisch, der joviale Bauern-Präsident Werner Schwarz und der grüne Robert Habeck. Albig und Innenminister Stefan Studt haben am Spitzentisch Platz genommen, unweit davon lässt es sich Studts Vorgänger Andreas Breitner gut gehen und auch SPD-Grantler Ralf Stegner plaudert derart fröhlich über die schönen Dinge des Lebens, dass man ihm gar nicht genug zuhören kann. Und Rendsburgs Kämmerer Herwig Schröder spricht gar vom „schönsten Abend des Jahres“.

Irgendwie, sagt sich der aus dem Norden angereiste Moderator Carsten Kock, müsse man doch die Kontrahenten Habeck und Schwarz aufs Podium bekommen. Nur kein Streitgespräch, das passt nicht ins Drehbuch. Kock hat ein Quiz mit nicht ganz ernst zu nehmenden Fragen aus dem bäuerlichen Metier mitgebracht. Habeck lächelt gequält, Werner Schwarz müht sich als Gastgeber um Contenance. Wie viel Tage ist Robert Habeck alt? Wie viele Zähne hat ein Hausschwein? Oder zum Schluss die Stichfrage, wie schwer denn ein Straußenei sei? Schwarz tippt auf „750 Gramm“, Habeck setzt auf „1500 Gramm“ und gewinnt. Sein Jubel hält sich allerdings in Grenzen.

Einige Tränen und Blumen gibt es zum Schluss. Klaus Dahmke, der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit des Bauernverbandes, hat zehn dieser Fest-Abende und viele Events auf der Grünen Woche organisiert. Es gibt stehende Ovationen für ihn. Ende des Jahres geht Dahmke in den Ruhestand.

So richtig Schluss aber ist erst in den frühen Morgenstunden des Montags. Zu viel haben die bäuerlichen Vertreter den Politikern zu erzählen. Auch Robert Habeck hält durch. Ein Landwirtschaftsminister muss Ausdauer haben.

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