Jahrelange Preisabsprachen : Schlag gegen Krabben-Kartell

Beim Anlanden der Krabben war noch alles in Ordnung, doch im industriellen Verarbeitungsbereich entdeckte die EU  Unregelmäßigkeiten zwischen den Produzenten, z. B. Preisabsprachen.
Beim Anlanden der Krabben war noch alles in Ordnung, doch im industriellen Verarbeitungsbereich entdeckte die EU Unregelmäßigkeiten zwischen den Produzenten, z. B. Preisabsprachen.

Brüssel verhängt eine Millionenstrafe gegen vier Händler wegen jahrelanger Preis- und Mengenabsprachen. Drei niederländische Firmen und eine aus Dithmarschen gehörten dem Kartell an.

shz.de von
28. November 2013, 00:33 Uhr

Büsum/Brüssel | Die Faxe an die Fischer unterschieden sich oft nur durch die Briefköpfe, Preise und Texte stimmten überein. Gestern wurde bekannt, dass die EU- Kommission gegen vier Krabben-Großhändler Geldbußen von 28,7 Millionen Euro verhängt hat. Der Vorwurf: Die Händler sollen über Jahre Krabbenmengen und -preise abgesprochen haben, verstießen somit gegen EU-Kartellrecht.

Dem Preiskartell gehörten laut EU die niederländischen Unternehmen Heiploeg und Klaas Puul (beide im Büsumer Hafen mit Niederlassungen vertreten), das holländische Unternehmen Kok Seafood und Fisch-Delikatessen Stührk mit Sitz in Marne (Dithmarschen) an. Heilploeg soll 27 Millionen Euro Strafe zahlen, Stührk 1,1 Millionen und Kok Seafood eine halbe Million Euro. Klaas Puul wurde die Geldbuße durch die EU-Kronzeugenregelung erlassen, da das Unternehmen als erstes Informationen über das Kartell vorgelegt hatte. Stührk war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

Die Preisabsprache wirkte sich laut EU-Bericht direkt auf die Endverbraucherpreise aus, denn die vier Kartellmitglieder kommen auf einen Marktanteil von 80 Prozent. Zwischen Juni 2000 und Januar 2009 trafen laut EU die Großhändler Heiploeg und Klaas Puul Preis- und Mengenabsprachen für den Verkauf von Nordseekrabben in Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Kok Seafood beteiligte sich mindestens ab Februar 2005 daran und Stührk soll Absprachen für den deutschen Markt von März 2003 bis November 2007 betrieben haben.

Der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia, erklärte: „Dieses Kartell hat den Wettbewerb auf dem Markt für Nordseegarnelen mehrere Jahre lang untergraben und damit Verbraucher in mehreren EU-Ländern geschädigt.“ Es sei erstaunlich, wie detailliert die Krabbenhändler vertrauliche Informationen erörtert hätten. Es schreckte sie dabei nicht ab, dass bereits vor Jahren die niederländische Wettbewerbsbehörde einige Händler zu empfindlichen Strafen verurteilt hatte.

Erste Razzien veranlassten die europäischen Wettbewerbshüter bereits 2009. Sie hatten den Verdacht, dass nicht nur die Verbraucher geschädigt werden, sondern auch Krabbenfischer. Denn durch ihre Marktmacht konnten die Händler die Einkaufspreise drücken. Mit der Folge, dass Krabbenfischer in ihrer Existenz bedroht wurden.

Für die Fischer an der Westküste kommt der Schlag gegen das Kartell deshalb auch nicht überraschend. „Es sind zu wenig Händler am Markt, da sind Absprachen nichts Neues“, meint Dieter Voß, Vorsitzender des Fischereivereins Friedrichskoog. Er freut sich deshalb darüber, dass sich 100 Krabbenfischer aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen dazu durchgerungen haben, die Erzeugergemeinschaft Deutscher Krabbenfischer mit Sitz in Cuxhaven zu gründen. Vor einigen Wochen wurde sogar eine eigene Siebanlage in Büsum in Betrieb genommen. „Das bringt Unabhängigkeit von den Großhändlern.“

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