zur Navigation springen

„Tiefpunkt noch nicht erreicht“ : Schiffbau-Zulieferer behaupten sich trotz Werftenkrise

vom

Es werden kaum noch Aufträge für Schiffe vergeben. Die deutschen Zulieferer setzen auf Innovation und den europäischen Markt.

Hamburg | In der schier endlosen Schifffahrtskrise halten sie sich einigermaßen über Wasser. Die deutschen Zulieferer der Werften- und Offshore-Industrie sehen sich trotz erneuter Umsatz- und Auftragsückgänge weiterhin auf stabilem Kurs und hoffen auf einen Aufschwung. „Unsere Hightech-Branche hat die Talsohle der Auftragseingänge noch nicht erreicht“, sagte Alexander Nürnberg am Donnerstag in Hamburg. Der Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment and Systems im Maschinenbauverband VDMA fügte bei einem Jahresrück- und -ausblick aber hinzu: „Ein Silberstreif am Horizont ist erkennbar.“

Das Hauptproblem der Zulieferbranche ist die Krise eines Teils ihrer Kunden. Während der Boomzeiten wurden viel zu viele Schiffe bestellt und Überkapazitäten an Frachtraum geschaffen. Das betrifft vor allem Containerschiffe und andere Standardfrachter, die auf den Werften in Asien gebaut werden.

Hoffnung schöpfen die maritimen Zulieferern aus der technischen Entwicklung. Produktinnovationen, Digitalisierung und Vernetzung stellten eine Chance dar, so Nürnberg, im Hauptberuf Geschäftsführer des Uetersener Maschinenbauers MacGregor Hatlapa.

Die nackten Zahlen unterstützen diesen Optimismus freilich nicht. Im vergangenen Jahr sackte der Umsatz der Branche um rund fünf Prozent auf 11,1 Milliarden Euro, womit das Segment der Zulieferer allerdings weiterhin deutlich größer ist als der deutsche Schiffbaus selbst. Die Zahl der Arbeitsplätze ging um 2000 auf 65.000 zurück. Die meisten Jobs gibt es in den süddeutschen Maschinenbauhochburgen Bayern und Baden-Württemberg, wo jeweils gut ein Fünftel des Umsatzes gemacht wird. Je rund ein Siebtel des Marktes entfallen auf Hamburg und auf Schleswig-Holstein. Im nördlichsten Bundesland beschäftigen die maritimen Zulieferer 9500 Mitarbeiter, in der Hansestadt 6000; in Niedersachsen sind es 4000, in Bremen 2500.

Auch im laufenden Jahr stehen die Zeichen nicht auf Aufschwung. Die Zahl der weltweit bei Werften in Auftrag gegebenen Neubauten verharrt auf einem historischen Tief, weshalb auch die Zubehörlieferanten aus dieser Quelle kaum neue Orders gewinnen. Schon 2016 seien bei den deutschen Zulieferern die Aufträge um 14 Prozent eingebrochen, berichtete Nürnberg. Stabilisierend wirkten aber Bestellungen für Umbauten, Modernisierungen und Ersatzteile. Positive Impulse gebe es zudem aus den Bereichen Kreuzfahrt- und Spezialschifffe sowie Umwelttechnik.

Die Zukunft sehen die maritimen Teilehersteller vor allem in der „Schifffahrt 4.0“. Datenbasierte Schiffstechnik schreite voran, in Finnland solle im kommenden Jahr erstmals die autonome Entladung von Schiffen praktiziert werden. Für die Anwendung in Helsinki liefert MacGregor digital gesteuerte Kräne, was ein ganz neues Geschäftsmodell zur Folge haben könne, sagte Nürnberg. „Dann wird es möglich, dass Reeder die Kräne nicht mehr kaufen, sondern nur noch für deren Betrieb bezahlen.“ Der Hersteller biete sich so die Chance, seine Hardware an mehrere Kunden zu vermieten.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Jul.2017 | 15:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen