Hamburger RWE-Tochter : RWE verkauft Dea für fünf Milliarden Euro

Ein Arbeiter entfernt die Schläuche nach einem Ladevorgang.
Ein Arbeiter entfernt die Schläuche nach einem Ladevorgang.

Der Energiekonzern und russische Käufer wollen die Bedenken der britischen Regierung aus dem Weg räumen.

shz.de von
16. Januar 2015, 17:37 Uhr

Hamburg/Essen | Die Zitterpartie soll ein Ende haben. Der Energiekonzern RWE will den Verkauf seiner Hamburger Erdölfördertochter Dea endgültig über die Bühne bringen. Für fünf Milliarden Euro soll die Miteigentümerin der Nordsee-Förderplattform Mittelplate nun an den russischen Oligarchen Michail Fridman und dessen LetterOne-Gruppe gehen. Der Deal war ursprünglich bereits im März eingefädelt worden. Jetzt soll der Verkauf bis Anfang März dieses Jahres abgeschlossen sein. Lange galt er allerdings – gerade vor dem Hintergrund der Russland-Krise – als umstritten. Insgesamt müssen 14 Länder, in denen Dea aktiv ist, ihr Einverständnis für den Verkauf geben. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte den Verkauf prüfen lassen, zuletzt hatte es vor allem seitens der britischen Regierung Bedenken gegeben.

Kern der modifizierten Variante des Verkaufs ist ein spezielles Konstrukt, um die Bedenken der britischen Regierung aus dem Weg zu räumen: Konkret geht es um die britische Dea-Einheit, Dea UK. Sie wird – zumindest vorübergehend – in eine Stiftung niederländischen Rechts überführt. Als solche ist sie nicht mehr weisungsgebunden an den verbleibenden Dea-Konzern. Für das operative Geschäft hätte dies keine Folgen, betonte ein RWE-Sprecher gestern. Daneben sieht die angepasste Vereinbarung des Energiekonzerns mit Fridmans in Luxemburg ansässiger Holding auch vor, dass RWE im Falle von Sanktionen gegen LetterOne zu einem vollständigen Rückkauf der mehr als eine Milliarde Euro teuren Dea-Einheit verpflichtet wäre.

Noch im März 2014 hatte die LetterOne-Gruppe rund 100 Millionen Euro mehr für das Dea-Unternehmen geboten – seit damals ist der Ölpreis allerdings auch um fast 50 Prozent gefallen. Dass der Preisabsturz allmählich ein Ende erreicht haben könnte, deutete die Internationale Energieagentur gestern an. „Die Dea-Transaktion ist strategisch bedeutsam für die LetterOne-Gruppe, da sie uns als Plattform für weiteres Wachstum in der Industrie dienen wird“, sagte LetterOne-Chef Fridman.

Dea galt lange Zeit als Ertragsperle von RWE. Doch jetzt braucht der Konzern das Geld aus dem Verkauf, um sich neu aufzustellen. „Der Verkauf der Dea ist daher ein wesentlicher Meilenstein in der Umsetzung unserer Strategie und zur Verbesserung unserer Finanzkraft“, sagte RWE-Chef Peter Terium gestern. Nach Einschätzung von Energieexperten kann allein Dea allein auf dem Feld Mittelplate noch bis zu 20 Millionen Barrel Öl relativ leicht fördern – und selbst bei niedrigem Ölpreis rentabel bleiben. Rechnerisch kann Mittelplate so noch mehr als 14 Jahre im Betrieb bleiben. 50 Millionen Barrel Öl im Feld von Mittelplate gelten Wirtschaftsexperten zufolge als schwer zu fördern. Selbst bei einem deutlich höheren Ölpreis sei die Förderung dieser Vorkommen deren Einschätzung nach unwirtschaftlich.

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