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Bau von Windparks : Rücksicht auf Schweinswale: Lärmschutz wirkt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Daten zeigen: Moderne Technik schont die Gehöre der empfindlichen Schweinswale. Sogar der Naturschutzbund lobt den neuen Schallschutz.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 08:54 Uhr

Sylt/Hamburg | Während es von den Seehunden am Mittwoch die traurige Nachricht über weitere 30 tote Tiere an Schleswig-Holsteins Westküste gab, kommt für die Schweinswale in der Nordsee jetzt eine erfreuliche Botschaft: Der Lärmschutz beim Bau der deutschen Hochseewindparks ist inzwischen so gut, dass er die geräuschempfindlichen Meeressäuger davor bewahrt, durch den Bau der Offshore-Anlagen verletzt oder gar getötet zu werden. Das geht aus neuen Daten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg hervor.

Die Behörde hat die Ramm-Arbeiten für die in diesem Jahr errichteten Meereswindräder ausgewertet – unter anderem für die 80 Fundamente im Park „Butendiek“ vor Sylt. „Der Grenzwert des BSH zum Schutz des Schweinswals konnte nahezu verlässlich eingehalten werden“, stellt BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz erfreut fest. Der Wert liegt bei 160 Dezibel. Selbst Kim Detloff vom kritischen Naturschutzbund Nabu lobt: „Der technische Schallschutz hat eine positive Entwicklung genommen.“

Erreicht wurde der wirksame Lärmschutz beim Bau von „Butendiek“ durch zwei Maßnahmen: Zum einen hat Bauherr WPD die Pfähle der Windräder mit einem doppelwandigen Rohr umschlossen, was den Krach beim Rammen verringert. Zum anderen wurde während der Arbeiten ein „Blasenschleier“ rings um die Pfähle erzeugt. Dabei wird Druckluft aus Schläuchen mit integrierten Düsen gepumpt, so dass ein feiner Schleier von Luftblasen an die Meeresoberfläche steigt und den beim Rammen entstehenden Lärm zusätzlich dämpft. „Es ist beeindruckend, was die Kreativität von Ingenieuren zu Wege gebracht hat und welche innovativen Lösungen zur Schallminderung in den letzten Jahren entwickelt werden konnten“,  freut sich Breuch-Moritz.

Dank doppelwandigem Rohr und Blasenschleier besteht künftig beim Rammen nicht mehr die Gefahr, dass das Orientierungssystem von eventuell in der Nähe schwimmenden Schweinswalen  beschädigt wird und die Tiere sich verirren und womöglich am Strand verenden. Gestört fühlen sich die Meeressäuger allerdings trotzdem. Nicht zuletzt deshalb haben der  Nabu und der Umweltverband BUND im Frühling Klage gegen den Windpark „Butendiek“ eingereicht, der als einziger in der deutschen Nordsee mitten in einem Schutzgebiet für Wale und Vögel liegt.

Außerdem hält Nabu-Experte Detloff für die Zukunft noch weitere Verbesserungen beim Lärmschutz für notwendig. „Es werden ja noch ein paar tausend Pfähle kommen – die können wir nicht alle mit einem großen Hammer in den Meeresboden rammen“, sagt Detloff und nennt die Methode „mittelalterlich“. Vielmehr gebe es inzwischen deutlich leisere Verfahren: „Man kann die Pfähle bohren oder rütteln.“ Und sogar schwimmende Fundamente seien inzwischen möglich.

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