Streit um Windmesse : Rückenwind für Husum

Noch ist die Entscheidung für oder gegen die Messe in Husum nicht gefallen. Foto: Uta Knizia
Noch ist die Entscheidung für oder gegen die Messe in Husum nicht gefallen. Foto: Uta Knizia

Weiter Wirbel um die Windmesse: Noch ist die Entscheidung für oder gegen Husum nicht gefallen. Viele große Windenergie-Unternehmen und Verbände wollen die Leitmesse in Nordfriesland halten.

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15. Oktober 2011, 11:42 Uhr

Husum | Nach der Ankündigung, aus der bisherigen Partnerschaft mit Husum auszusteigen und 2014 in Hamburg eine eigene Leitmesse für Windkraft zu veranstalten, bekommt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) jetzt Gegenwind. "Anders als der VDMA vermitteln will, gibt es weder einen Konsens der Branche über den Ort der Messe 2014 noch eine ausreichende Abstimmung mit den verschiedenen Standorten", so der Präsident des Bundesverbandes Wind-Energie, Hermann Albers, verärgert. "Der VDMA hat mit seiner frühzeitigen Festlegung auf Hamburg dem Messestandort Deutschland eher geschadet als genutzt." Offenbar werde in Kauf genommen, dass sich 2014 ein Teil der Branche in Husum und ein anderer in Hamburg präsentiert.
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"Der Versuch, die Messe ,WindEnergy nach Hamburg zu ziehen, wird sich als kontraproduktiv herausstellen", prophezeit auch Nordfrieslands Vize-Landrat Jörg von Sobbe - und stellt klar, dass der VDMA keineswegs die Branche repräsentiere: "Viel wichtiger sind das Branchennetzwerk Windcomm Schleswig-Holstein, der Bundesverband Windenergie und das internationale Global Wind Energy Council sowie große Hersteller wie Vestas und Enercon. Und sie alle haben sich eindeutig für das Messe-Tandem Husum/Hannover ausgesprochen."
In geraden Jahren trifft sich die Branche zur internationalen Leitmesse "WindEnergy" in der nordfriesischen Kreisstadt, in den ungeraden Jahren veranstaltet die Deutsche Messe AG die Leitmesse Wind im Rahmen der Hannover-Messe.
Tatsächlich bekannten sich Vestas und Enercon gestern auf Nachfrage des sh:z noch einmal ausdrücklich zu ihrer bisherigen Position: "Vestas sieht keine Notwendigkeit für eine Leitmesse in Hamburg", so Vertriebschef Andreas Eichler. "Was gut läuft, soll ausgebaut werden." Husum sei ein qualitativ hochwertiger Messestandort. "Ich gehe deshalb heute davon aus, dass sich der Markt nach einer erfolgreichen ,WindEnergy 2012 nachhaltig zu Gunsten Husums entscheiden wird." Auch Ruth Brand-Schock von Enercon erklärte: "Wir stehen zu Husum."
"Hamburg hat die bessere Infrastruktur und mehr Erfahrung"
Andere Hersteller wie Siemens halten dagegen: "Wegen der hohen Attraktivität haben wir das globale Hauptquartier unserer Windenergie-Division nach Hamburg verlegt", sagt Felix Ferlemann, Windsparten-Chef des Unternehmens. "Aus unserer Sicht ist es der logische nächste Schritt, dass Hamburg auch der Standort der europäischen Leitmesse für Windenergie wird." Und Felix Losada von Nordex meint: "Hamburg hat die bessere Infrastruktur und mehr Erfahrung."
"Die haben schon in der Vergangenheit gezeigt, dass sie es nicht können", sagt dagegen Peter Cohrs, Aufsichtsratsvorsitzender der Husumer Messegesellschaft. 2002, 2004 und 2006 hatte der VDMA bereits versucht, in der Elbmetropole eine Windmesse aufzuziehen. Cohrs warnt vor zusätzlicher Konkurrenz angesichts einer Initiative aus Bremen, dort für den Offshore-Bereich ebenfalls eine neue Messe zu etablieren. Diese strebt zwar nicht die Größenordnung einer Leitmesse an, war aus Bremen zu hören. Dennoch: "Auch deshalb ist nicht zu akzeptieren, dass der VDMA durch seine Hamburg-Pläne die Branche spaltet", so Cohrs.

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