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Prokon-Gründer : Rodbertus ist wieder da - jetzt spricht er selbst

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit Prokon ging er in die Pleite, Anleger verloren Hunderte Millionen. Mit ähnlicher Masche geht Rodbertus erneut auf Investorenfang.

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erstellt am 25.Sep.2014 | 16:25 Uhr

Itzehoe | Carsten Rodbertus, Gründer und ehemaliger Chef der inzwischen insolventen Windenergiefirma Prokon aus Itzehoe, versucht wieder, Geld bei Privatanlegern einzutreiben. Laut seiner Website Rodbertus.com berät er eine Firma namens „PmK - Projekte mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft GmbH”. Dort wirbt er darum, „qualifizierte Nachrangdarlehen zu zeichnen, die inhaltlich den Genussrechten ähnlich sind”. Laut Website der PmK ist die Gesellschaft am 16. September gestartet.

Gegenüber shz.de äußert sich Rodbertus zum ersten Mal seitdem öffentlich. „Es geht nicht darum, dass der Kampf Prokon weitergeführt wird", sagt er. Deshalb stünden auch nicht die Geschäftsbereiche von Prokon bei PmK im Vordergrund. Unter den erneuerbaren Energien nennt er ausdrücklich die Solarenergie. Diese Projekte gebe es auch in kleineren Einheiten. „Ich bringe grundsätzliche Kenntnisse zum Aufbau einer solchen Vertriebsorganisation mit ein.“

Bewusst habe er nun die Position als Berater gewählt, doch die „Progaganda-Maschine ohne Moral“ der Medien sei wieder angesprungen: „Die respektiert nicht mal, dass man beruflich neu anfängt.“ Aber: „Mundtot wird man mich nicht kriegen.“

Der Fall Prokon ist die spektakulärste Pleite eines deutschen Unternehmens, das durch Kleinanleger finanziert wurde. Rodbertus sprach dabei gezielt und geschickt das Umweltbewusstsein seiner Investoren an und auch dumpfe Vorbehalte gegen Großbanken und Großindustrie. Auch die PmK wirbt für eine „saubere und moralische Kapitalanlage”. Ziel ist laut Zeichnungsunterlagen, 250 Millionen Euro einzuwerben.

Rodbertus hatte über die umstrittene Form der Genussrechte für Prokon im Laufe mehrerer Jahre 1,4 Milliarden Euro bei Privatanlegern eingesammelt. Anfang Januar hatte Rodbertus mit Insolvenz gedroht, falls sich nicht 95 Prozent der Anleger verpflichten, ihr Geld im Unternehmen zu belassen. Damals war es zu einem massiven Mittelabfluss gekommen. Am 22. Januar folgte dann tatsächlich der Insolvenzantrag.

Der Rechtsanwalt Dietmar Penzlin aus Hamburg wurde zum Insolvenzverwalter bestimmt, er entließ Anfang April Rodbertus als Geschäftsführer. Gegen Rodbertus läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lübeck, unter anderem wegen Insolvenzverschleppung.

Rodbertus schimpft auf seiner Website gegen Insolvenzverwalter allgemein: „Die Branche der Insolvenzverwalter (überwiegend Rechtsanwälte) fungiert zum größten Teil als Dienstleister für die marktbeherrschenden Großunternehmen und sorgt für billige Übernahmen, damit diese Unternehmen sich nicht verändern brauchen und abstruse Management- und Gehaltsstrukturen zu Lasten der Gerechtigkeit sich weiter leisten können.”

Penzlin hatte Rodbertus im Sommer im Vorfeld einer Gläubigerversammlung massiv angegriffen. „Behauptungen von Herrn Rodbertus zur Ertragsfähigkeit von Prokon sind reine Fantasiezahlen ohne Bezug zur Realität“, schrieb Penzlin in einer Mitteilung. Bei der anschließenden Gläubigerversammlung setzte sich der Insolvenzverwalter mit seinem Sanierungskonzept gegen Rodbertus durch.

Zu seinem aktuellen Verhältnis zu Penzlin sagte Rodbertus gegenüber shz.de: „In irgendeiner Form muss ich mich um meine Neuorientierung kümmern.“ Dabei könne es auch um Vereinbarungen mit Penzlin zu seiner, Rodbertus‘, finanziellen Situation gehen. Heute sei er überschuldet, doch auch die Frage einer möglichen Privatinsolvenz beinhalte Strategiefragen. Deshalb habe er in einem Schreiben an die Anleger angekündigt, das Gespräch mit dem Insolvenzverwalter zu suchen. Ob man den Kampf um die Gunst der Gläubiger fortsetze oder einstelle, sei die Kernfrage. Es gebe viele Anknüpfungspunkte für gemeinsame Lösungen.

Rodbertus verspricht bei der PmK eine Verzinsung von drei bis fünf Prozent. Das ist vergleichsweise viel: Die Umlaufrendite als sicher geltender deutscher Staatsanleihen liegt derzeit bei 0,8 Prozent. Der Unterschied zwischen den beworbenen „qualifizierten Nachrangdarlehen” und den umstrittenen Genussscheinen liegt laut Rodbertus darin, dass „bei einer übermäßigen Kündigungswelle die Rückzahlung für die Gesellschaft je nach Intensität der Kündigungen um bis zu 2 Jahre verlängert werden kann.” Im Klartext heißt das, dass Anleger im Krisenfall ihr Kapital nicht zeitnah zurückfordern können. Es bleibt aber nachrangig, das heißt, andere Gläubiger wie Sozialversicherungen, Mitarbeiter oder Lieferanten werden zuerst bedient.

Rodbertus betont, er wolle „weder Gesellschafter noch Geschäftsführer dieser Gesellschaft, noch angestellter Mitarbeiter sein”. Laut seinen Angaben handelt es sich um „eine Tochtergesellschaft eines Unternehmens, das sich dem Erhalt von regional bedeutenden und ertragreichen mittelständischen Unternehmen verschrieben hat, die durch fehlende Finanzierungsstrukturen des heutigen Bankensystems in ihrer Existenz oder Entwicklung gefährdet sind.” Nähere Angaben gibt es nicht.

Verbraucherschützer warnen vor einer Investition in die PmK. Renate Daum von der Stiftung Warentest hatte sich jahrelang mit Prokon beschäftigt und vor einer Geldanlage dringend abgeraten. Bei der PmK sieht sie das genauso. Auch hier gehe es wie bei den Prokon-Genussrechten um eine Nachranganleihe. Im Falle einer Pleite sehen die Anleger ihr Geld in der Regel nicht wieder.

Spiegel Online schreibt über die Eigentumsverhältnisse der PmK: Laut Handelsregisterauszug sei die PmK eine Tochter der "MIU Mitteldeutsche Industrie Union GmbH" in Magdeburg, die allerdings bis zum April dieses Jahres noch „Argyla Capital GmbH" hieß und in Berlin gesessen habe. Die MIU gehöre inzwischen der „Bestpractice Real Estate GmbH". Deren Gegenstand seien Immobilienprojekte - sowie "der Handel mit neuen und gebrauchten Wasserfahrzeugen für den Freizeitbereich".

Auf Rodbertus’ Website klingt das anders: Die PmK sei „Tochtergesellschaft eines Unternehmens, das sich dem Erhalt von regional bedeutenden und ertragreichen mittelständischen Unternehmen verschrieben hat, die durch fehlende Finanzierungsstrukturen des heutigen Bankensystems in ihrer Existenz oder Entwicklung gefährdet sind.”

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