1800 Tiere betroffen : Rinder-Herpes BHV1 auf vier Höfen in SH – Habeck hält Lage für stabil

<p>Die Rinderseuche ist in Schleswig-Holstein wieder aufgetreten.</p>

Die Rinderseuche ist in Schleswig-Holstein wieder aufgetreten.

Für den Menschen ist die Krankheit laut Ministeriumsangaben ungefährlich. Doch für Bauern ist die Situation bedrückend.

von
02. Februar 2018, 15:00 Uhr

Padenstedt | In Schleswig-Holstein mehren sich die Fälle von am Herpesviruis BHV1 erkrankten Rindern. Nachdem erst bekannt geworden war, dass ein Betrieb in Padenstedt bei Neumünster betroffen war, bestätigte das Kieler Landwirtschaftsministerium am Nachmittag drei weitere Fälle.

Die Lage im Überblick:

  • In Padenstedt wurde die Krankheit bei einem Rind offensichtlich. Die Untersuchung des gesamten Bestandes ergab, dass 89 Prozent der anderen Tiere Antikörper gebildet hatten. Sie trugen das Virus in sich, ohne erkrankt zu sein. 657 der so genannten Reagenten müssen daher auf Anordnung der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht getötet werden.
  • Außerdem soll laut Landwirtschaftsministerium noch ein weiterer Betrieb im Kreis Rendsburg-Eckernförde betroffen sein. Auch im Kreis Stormarn gibt demnach es zwei Fälle. Die genauen Orte wurden bislang nicht bekanntgegeben. Teile der Bestände müssen jedoch auch hier getötet werden.
  • Insgesamt sind 1800 Tiere betroffen.

Was ist das für ein Virus?

Das Virus ist weltweit verbreitet. Es verbreitet sich durch direkten Kontakt zwischen Tieren, kann aber durch Personen- oder Fahrzeugkontakte übertragen werden. BHV1 wird seit 1997 in Deutschland staatlich bekämpft. Die Erkrankung zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen in Deutschland. Die Bekämpfungsmaßnahmen ergeben sich aus einer Bundesverordnung zur Bekämpfung des Bovinen Herpesvirus 1.

In einem aufwändigen Sanierungsverfahren haben alle Bundesländer das Virus aus den Rinderbeständen entfernt, schreibt das Kieler Landwirtschaftsministerium in einer aktuellen Stellungnahme. Allerdings treten auch nach Anerkennung des deutschlandweiten BHV1- Freiheitsstatus im Juni 2017 Nachweise in nahezu allen Bundesländern auf. Schleswig-Holstein ist ebenfalls betroffen, wenn auch in einem vergleichsweise geringeren Ausmaß.

Robert Habeck: „Lage ist stabil“

„Die Situation ist für die Landwirte bedrückend, weil sie zum großen Teil ihre Bestände verlieren. Die Lage im Land ist aber stabil“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck am Freitag. „Wir sind seit März 2017 offiziell BHV1-frei, inzwischen gilt das für ganz Deutschland. Dieser Status ist auch nicht gefährdet, selbst wenn es – wie es in anderen Bundesländern auch der Fall ist – noch zu vereinzelten Ausbrüchen kommt“.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Das Bovine Herpesvirus Typ 1 ist eine für den Menschen ungefährliche Krankheit, die aber bei Rindern zu Lungenerkrankungen, Fieber, verringerter Milchleistung und Aborten führen kann.

Das Fleisch dieser Tiere muss laut dem Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung (MJEVG) nicht vernichtet, sondern kann bedenkenlos verzehrt werden, da der Erreger nicht auf den Menschen übertragbar ist. Klinisch erkrankte Tiere dagegen werden getötet und dürfen nicht als Lebensmittel in den Handel gelangen, sagt das Ministerium.

Was bedeutet das für Landwirte?

Landwirte werden vom Ministerium angewiesen, weiterhin strenge Sicherheitsmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Beispielsweise müssen sie dafür sorgen, dass ihre Tiere möglichst nicht in Kontakt mit Tieren aus anderen Beständen kommen. Neu gekaufte Tiere sollten zunächst separat gehalten werden: Personen, die den Bestand betreten, sollten betriebseigene Schutzkleidung tragen.

Die betroffenen Betriebe werden gereinigt und desinfiziert, und Nachbarbetriebe werden untersucht.

Entschädigung erhalten die betroffenen Landwirte je zur Hälfte über Tierseuchenfond und Land. Diese Entschädigungszahlungen sind zu 50 Prozent durch den Tierseuchenfonds und zu 50 Prozent durch das Land zu leisten.

Das Landwirtschaftsministerium hat zudem angefordert, die ohnehin stattfindenden Kontrolluntersuchungen zu intensivieren, um weiterhin ein gutes Bild von der Lage zu haben.

(mit Material der dpa)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen