Stellenabbau in Kiel : Rheinmetall will 320 Arbeitsplätze streichen

Das Unternehmen Rheinmetall Landsysteme will nach Darstellung der Gewerkschaft IG Metall rund 320 von knapp 500 Stellen am Kieler Standort streichen. Foto: dpa
Das Unternehmen Rheinmetall Landsysteme will nach Darstellung der Gewerkschaft IG Metall rund 320 von knapp 500 Stellen am Kieler Standort streichen. Foto: dpa

Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall will in Kiel Arbeitsplätze streichen - ohne Zahlen zu nennen. Die IG Metall spricht von rund 320 Stellen.

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29. August 2012, 11:59 Uhr

Kiel | Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall Landsysteme will nach Darstellung der Gewerkschaft IG Metall rund 320 von knapp 500 Stellen am Kieler Standort streichen. Auf einer Betriebsversammlung am 11. September solle die Belegschaft in Kiel-Suchsdorf unterrichtet werden, bestätigte Peter Seeger von der IG-Metall am Dienstag. Einen näheren Zeitplan habe die Geschäftsführung bisher nicht vorgelegt.
In einer schriftlichen Stellungnahme der Konzernleitung in Düsseldorf hieß es am Dienstag, für die Zukunftssicherung sei eine Reduzierung der Personalstärke in Kiel unumgänglich. Zahlen nannte der Konzern nicht. "Dem Betriebsrat wurde ein Drei-Standorte-Konzept vorgestellt, das den Erhalt des Standorts Kiel vorsieht", teilte das Unternehmen mit. Neben Kiel hat Rheinmetall Landsysteme Standorte noch in Kassel (rund 400 Mitarbeiter) und Unterlüß (380 Mitarbeiter) in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) sowie im bayerischen Gersthofen (50 Mitabeiter).
Über Einzelheiten wird derzeit verhandelt
Laut IG Metall ist die Schließung des Standortes Gersthofen mit rund 50 Entwicklungsingenieuren bereits beschlossen. Kassel und Kiel sollen nach Gewerkschaftsangaben hunderte Arbeitsplätze verlieren, ein Teil davon solle nach Unterlüß verlagert werden als künftigem Hauptstandort. "Über Einzelheiten der umzusetzenden Maßnahmen wird derzeit zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung verhandelt", hieß es in der Rheinmetall-Mitteilung. Der Pressesprecher war für Nachfragen zunächst nicht erreichbar.
Rheinmetall Landsysteme ist als Tochtergesellschaft der Rheinmetall Defence Gruppe zuständig für die Entwicklung und Fertigung von gepanzerten Kettenfahrzeugen sowie Turmsystemen. Zur Produktpalette gehören Kampfpanzer, Schützenpanzer und Minenräumsysteme. Laut "Kieler Nachrichten" soll sich die Auftragslage in den vergangenen Jahren eher rückläufig entwickelt haben. So habe beispielsweise die Bundesregierung ihren Auftrag über 405 Schützenpanzer Puma auf 350 reduziert.
"Eine Katastrophe"
In der Konzernmitteilung hieß es: "Um die globale Wettbewerbsfähigkeit und die Marktpositionen zu stärken und dauerhaft abzusichern, sucht das Unternehmen im Rahmen des Projekts "Zukunftssicherung" derzeit nach geeigneten Möglichkeiten." Ziel des Projekts "Zukunftssicherung" sei es, "dem Unternehmen und seiner Belegschaft eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen". Über die Neudefinition von Strukturen und Prozessen gelte es, "die Profitabilität in allen Bereichen zu sichern bzw. auszubauen und Potential für einen breiteren internationalen Marktauftritt zu heben".
Im vergangenen Jahr machte Rheinmetall Landsysteme einen Umsatz von 337 Millionen Euro. Nach weiteren Konzernangaben hat das Unternehmen insgesamt 1308 Mitarbeiter, in Kiel derzeit 491. Seeger kritisierte die Informationspolitik der Geschäftsführung von Rheinmetall Landsysteme als "eine Katastrophe". In einer Power-Point-Präsentation der Geschäftsführung sei eine Verlagerung sämtlicher vier deutschen Standorte ins Ausland als eine Option genannt worden.
Die IG Metall will an diesem Donnerstag in Frankfurt mit ihren Vertretern aus Kassel und Kiel eine gemeinsame Strategie festlegen, damit die Standorte nicht gegeneinander ausgespielt werden. Am Freitag will die IG Metall in Kiel-Suchsdorf ihre Mitglieder unter den Arbeitnehmern weiter informieren. "Sollte die Zentrale von Rheinmetall Landsysteme in Kiel so massiv geschwächt werden wie von der Geschäftsführung geplant, droht auf Dauer eine komplette Schließung des Standortes", befürchtet Steeger.

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