Arbeitslosenquote : Rekordhoch: So entwickelt sich der Arbeitsmarkt in SH

Am Mittwoch werden die Arbeitsmarktzahlen für Dezember veröffentlicht. shz.de trägt die Quoten in einer Karte zusammen.

shz.de von
07. Januar 2015, 06:00 Uhr

Kiel | Der deutsche Arbeitsmarkt ist in guter Verfassung, sagen Wirtschaftsexperten: Die Zahl der Erwerbstätigen hat ein Rekordhoch erreicht. Daran dürfte sich erst mal auch nichts ändern, ist die Bundesagentur für Arbeit (BA) überzeugt. Im wiedervereinigten Deutschland hatten im Vorjahr so viele Menschen eine Arbeit wie nie: Im Jahresdurchschnitt 2014 waren nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 42,6 Millionen Männer und Frauen mit Wohnort in der Bundesrepublik erwerbstätig. Damit setzte sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort.

Am heutigen Mittwoch gibt Schleswig-Holstein wieder die aktuellen Arbeitsmarktzahlen des vergangenen Monats bekannt. Als Hinweis auf die unverändert gute Arbeitsmarktlage wertet die Bundesagentur auch die aktuell starke Arbeitskräftenachfrage. Im Dezember 2014 habe es so viele freie Stellen gegeben wie selten zuvor.

Zurückhaltender fallen dagegen die Prognosen von Volkswirten deutscher Großbanken für 2015 aus. Zwar rechnen sie mit einem etwas kräftigeren Wirtschaftswachstum als 2014. Auf dem Arbeitsmarkt werde dies aber kaum ankommen. Im Jahresschnitt 2015 gehen die Fachleute von 2,90 Millionen bis 2,94 Millionen Arbeitslosen aus, was einer Stagnation oder sogar einem leichten Anstieg im Vergleich zu 2014 gleichkäme.

Kritiker sind sich sicher: Die allmonatlichen Zahlen geben den tatsächlichen Stand der Arbeitslosigkeit nicht richtig beziehungsweise beschönigt wieder. „Die Definition von Arbeitslosigkeit ist eine sozialrechtliche und daher politisch steuerbar. Die Politik macht von dieser Steuerungsmöglichkeit regelmäßig Gebrauch", berichtet die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).  „Die Folge ist eine Arbeitslosenstatistik, die das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit nur unvollständig abbildet.“ Dennoch würden die monatlich verkündeten Zahlen kaum hinterfragt.

Lohnen würde sich ein Blick auf die Unterbeschäftigung. Die Bundesagentur für Arbeit führt die sogenannten Unterbeschäftigten in einer separaten Unterbeschäftigungsstatistik. „Die Politik kann die Personengruppen, die als Unterbeschäftigte gezählt werden, über Rechtsänderungen festlegen. Sie ist daher in der Lage, steuernd Einfluss auf die Höhe der registrierten Arbeitslosigkeit zu nehmen und damit auch die Statistik zu verändern.“ Unter anderem gelten neben den erfassten Arbeitslosen auch Personen als unterbeschäftigt, wenn sie an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen. Auch Menschen über 58 Jahren oder Krankgeschriebene zählen in die Statistik. Zum Vergleich: DieArbeitslosenquote betrug im November 6,3 Prozent, die Unterbeschäftigungsquote 8,2 Prozent.

Woher kommt die Arbeitslosenstatistik?

Die Bundesagentur für Arbeit berechnet die registrierte Arbeitslosigkeit. Diese wird definiert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl der sogenannten zivilen Erwerbspersonen, also aller Erwerbstätigen und Arbeitslosen zusammen.

Wer gilt als arbeitslos?

Man ist nicht einfach arbeitslos, nur weil man nicht arbeitet. Arbeitslos ist, wer weniger als 15 Stunden in der Woche arbeitet, aber mehr als 15 Stunden arbeiten will und jünger als das jeweilige Rentenalter ist. Unter registrierter Arbeitslosigkeit werden die Arbeitslosen gezählt, die arbeitslos gemeldet sind.

Wer gilt nicht als arbeitslos?

Nicht als arbeitslos gewertet werden

- Alle, die an Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit teilnehmen. Auch alle Arbeitslosen, die durch private Arbeitsvermittler betreut werden, werden nicht mehr in der offiziellen Arbeitslosenstatistik geführt.

- Langzeitarbeitslose, die in Zusatzjobs auf den „Ersten Arbeitsmarkt“ vorbereitet werden, also eine sogenannte Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung haben.

- Personen, die arbeitsunfähig erkrankt sind.

- Arbeitslose, die mindestens 58 Jahre alt sind und wenigstens zwölf Monate Hartz IV beziehen, ohne ein Jobangebot bekommen zu haben.

Was ist die Unterbeschäftigungsquote?

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB) gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsförderung oder kurzfristig erkrankt sind.

Die Unterbeschäftigung setzt sich zusammen aus drei Personengruppen:

  1. den Arbeitslosen nach § 16 SGB III,
  2. Teilnehmern an bestimmten Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und
  3. Personen in bestimmten Sonderstatus (vor allem kurzfristig erkrankte Personen).
Wo kann man sich über Jobs im Norden informieren?

Stellenangebote gibt es

- in der Jobbörse der Agentur für Arbeit

- regional auf jobs.sh

- bundesweit auf Internet-Plattformen wie Monster.de oder Stepstone.de

 
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