Jahresbilanz : Rekord-Gewinne bei der Provinzial

Die Provinzial: Gute Gewinne sprechen gegen eine Fusion. Dagegen wurde schon vor einem halben Jahr demonstriert (Foto). Der Umgang mit den Konzern-Gewinnen sorgt außerdem für Unmut. Foto: dpa
Die Provinzial: Gute Gewinne sprechen gegen eine Fusion. Dagegen wurde schon vor einem halben Jahr demonstriert (Foto). Der Umgang mit den Konzern-Gewinnen sorgt außerdem für Unmut. Foto: dpa

Rekord-Jahresergebnis bei der Provinzial Nordwest. Auch die Tochter Kieler Brandkasse schafft einen Rekordgewinn. Die Konzernmutter gerät aber in die Kritik.

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04. Juni 2013, 11:18 Uhr

Kiel | Mit einem Rekordgewinn hat die Provinzial Nord Brandkasse AG das vergangene Jahr abgeschlossen. Der Gewinn stieg auf 14,3 Millionen Euro und lag damit mehr als drei Mal so hoch wie 2011 mit 4,2 Millionen Euro. Dagegen verzeichnete die Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG erneut ein rückläufiges Neugeschäft. Das sei aber in einigen Bereichen Unternehmensstrategie, sagte Jörg Tomalak-Plönzke, Vorstandsvorsitzender der Brandkasse und Vorstandsmitglied der Lebensversicherung AG, am Montag in Kiel. Die Beitragseinnahmen gingen um 6,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück. Die Verzinsung der Kapitalanlagen stieg auf 4,3 Prozent (Vorjahr 3,9 Prozent).
Bereits letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass die Konzernmutter Provinzial Nordwest, zu der unter anderem die Brandkasse und die Lebensversicherungs AG gehören, den Gewinn steigern konnte. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag mit 136,2 Millionen Euro beim zweitgrößten öffentlichen Versicherer deutlich über dem bereits hohen Vorjahresniveau von 116,2 Millionen Euro.

Umgang mit Holding-Gewinn sorgt für Kritik

Trotz dieser guten Zahlen hält sich die Freude in Grenzen. Der Grund: Die Eigentümer greifen tief in die Kasse. Der Sparkassenverband, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein kassieren rund 70 Millionen des 80 Millionen Euro Holding-Gewinns. Die Gewerkschaft Verdi droht sogar mit juristischen Schritten. "Die angekündigte Ausschüttung ist unverhältnismäßig hoch und könnte gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen", sagte Verdi-Sprecher Frank Schischefsky. Schließlich heißt es im Provinzial-Gesetz: Das Erzielen von Gewinnen ist nicht Hauptzweck. Die Gewinne des zweitgrößten öffentlichen Versicherers sollten deshalb primär dazu dienen, das Eigenkapital zu erhöhen. Schischefsky verwies auf die mit der EU-Richtlinie Solvency II angestrebte Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa. Dafür müsse sich auch die Provinzial Nordwest wappnen.
Der Schleswig-Holsteinische Sparkassenverband hingegen ist angesichts der Zahlen in Jubelstimmung: Man freute sich vergangene Woche über die solide Ertragslage der Provinzial im Jahr 2012. "Das Ergebnis ist ein Lichtblick in unserem Beteiligungsportfolio", sagte Verbandspräsident Reinhard Boll. Zur Rekordausschüttung, die ihm Sondereinnahmen von 12,5 Millionen Euro beschert, wollte er sich nicht äußern.

Gute Bilanz ist Argument gegen Fusion

Die Bilanz der offenkundig kerngesunden Provinzial wirft ein neues Licht auf die Fusionsverhandlungen. Es wird nach dem verhinderten Verkauf an den Konkurrenten Allianz jetzt eine Fusion der Provinzial Nord-West mit der Provinzial des Rheinlands angestrebt. Die Gewerkschaften stellen jedoch Bedingungen zum Erhalt der Unternehmensstandorte und der Einigung auf eine öffentlich-rechtliche Rechtsform. Ihr Vorbehalt "Fusion ja, aber nicht um jeden Preis" bekommt durch die hervorragende Bilanz 2012 mehr Gewicht denn je. Und die Sparkassen werden es schwer haben ihren "Fusionsdruck" zu begründen.
Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktonsvorsitzender in Schleswig-Holstein, sagte bereits vergangene Woche das Jahresergebnis 2012 zeige, dass es keine Notwendigkeit gebe, die Provinzial zu veräußern. "Die Versicherung hat bewiesen, dass sie auch allein stark genug ist. Wir erwarten nun, dass die entsprechenden Überlegungen zu den Akten gelegt werden."

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