Interview : Reiseunternehmen veröffentlicht erstmals Nachhaltigkeitsbericht

Urlaub wie im Paradies - und Touristen wie Urlaubsländer wollen, dass das auch so bleibt. Das Kieler Reiseunternehmen Gebeco  wurde für seinen nachhaltigen Umgang mit Natur und Menschen in der Ferne jetzt ausgezeichnet. Foto: dpa
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Urlaub wie im Paradies - und Touristen wie Urlaubsländer wollen, dass das auch so bleibt. Das Kieler Reiseunternehmen Gebeco wurde für seinen nachhaltigen Umgang mit Natur und Menschen in der Ferne jetzt ausgezeichnet. Foto: dpa

Gebeco-Geschäftsführer Ury Steinweg spricht im Interview über Verantwortung im Reisegeschäft und die zahlreichen politischen Krisenherde dieser Welt.

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02. August 2011, 11:54 Uhr

Herr Steinweg, Sie sind als erster größerer deutscher Reiseveranstalter mit dem Nachhaltigkeitssiegel CSR Tourism der Gesellschaft TourCert ausgezeichnet worden. Das Siegel steht für ökologische und soziale Verantwortung, die ein Unternehmen übernimmt. Werte, die sich Gebeco schon immer auf die Fahnen geschrieben hat. Warum das Siegel?
Nachhaltigkeit ist inzwischen ein riesengroßes Thema in der Branche. Für uns spielt es, wie Sie es bereits gesagt haben, aber schon seit der Unternehmensgründung eine Rolle, da die Gäste unserer Reisen Begegnungen mit den dort lebenden Menschen erleben. Warum sollen wir dann nicht auch ein Qualitätssiegel dafür bekommen?
Für viele Verbraucher ist die Qualität, für die so ein Siegel steht, aber sicherlich schwer zu beurteilen. Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig. Und es gibt vermutlich noch andere Label in diesem Bereich...
Die meisten Siegel, die wir heute auf dem Markt finden, bewerten nur einzelne Produkte. Es gibt eigentlich nur zwei Siegel, die für uns als Reiseveranstalter interessant sind. Die Global Reporting Initiative, die Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen bewertet. Da geht es auch ein bisschen um die Inhalte, aber primär darum, den Bericht selbst zu zertifizieren. Und im Prinzip gibt es keine einheitlichen Vorgaben, was drin stehen muss. Ja, und dann gibt es das CSR-Siegel Tour Cert. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir es für das anspruchsvollere halten, denn dort wird das Kerngeschäft des Unternehmens nach einheitlichen Standards bewertet. Im Zertifizierungsrat sitzen unabhängige Gutachter. Und es wird vom Bund gefördert.
Wie sehen denn Gebecos größte Stärken in Sachen Nachhaltigkeit aus?
Nachhaltiger Tourismus heißt für Gebeco, verantwortungsvoll mit den Menschen vor Ort, deren ökologischen Ressourcen, kulturellen Schätzen und sozialen Gegebenheiten umzugehen. Wir achten auf eine möglichst hohe Wertschöpfung im Gastland - fast 42 Prozent des Reisepreises bleiben dort. Und wir legen auch an unserem Firmensitz in Kiel Wert auf Nachhaltigkeit. Wir beziehen Ökostrom, drucken unsere Kataloge auf Recycling-Papier und senken unseren Energieverbrauch durch Green IT. Das heißt, wir verzichten auf persönliche Computer und haben in Kartenlesegeräte für jeden Arbeitsplatz investiert.
Gebeco ist der erste größere deutsche Reiseanbieter, der mit dem CSR-Siegel ausgezeichnet wurde. Warum haben sich vor Gebeco bisher nur kleinere Firmen auf ihre Nachhaltigkeit prüfen lassen?
Größere Reiseanbieter haben erst seit diesem Jahr die Möglichkeit, sich mit dem CSR-Siegel zertifizieren zu lassen. Und ich gehe davon aus, dass andere nachziehen werden.
Neben dem Thema Nachhaltigkeit gibt es derzeit ja noch ein anderes Thema, dass die Branche sehr bewegt. Wie sehr spürt Ihr Unternehmen die Auswirkungen der Naturkatastrophen und zahlreichen politischen Krisenherde?
Katastrophen haben uns eigentlich seit Bestehen von Gebeco begleitet. Wir sind ja als Osteuropa-Spezialist gestartet. In den ersten Jahren hat Russland 50 Prozent unseres Geschäftes ausgemacht. Durch das Reaktor-Unglück von Tschernobyl fiel dieses Geschäft von einem Tag auf anderen weg. Die Krisen führten dazu, dass wir immer mehr Länder ins Programm aufgenommen haben. Heute bedeuten Krisen zwar wirtschaftliche Verluste, aber sie sind nicht mehr existenzbedrohend für uns.
Aber die Krisen nehmen zu, oder?
Ja, das stimmt. Aber wir sind heute auch viel besser informiert. Krisenmanagement gehört heute zu unserem Geschäft. Wir überlegen uns sehr genau, in welche Länder wir Reisen anbieten. Wir haben immer im Blick, in welchen Teilen der Erde Naturkatastrophen auch nur drohen könnten. Wir stehen in engem Kontakt mit dem auswärtigem Amt. Die Notfallpläne werden ständig erweitert. Vor 20 Jahren wurde dagegen noch vieles auf Zuruf gemacht.
(tnn, shz)

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