Nach Abschaffung der „gekoppelten Weideprämie“ : Regierungsbericht: Schäfer in Schleswig-Holstein in wirtschaftlichen Nöten

Wölfe, Wildgänse und Hunde machen den Schäfern zu schaffen.
„Der Diebstahl der Tiere muss geplant gewesen sein“, sagt Schäferin Nicole Ingwersen.

Nur noch 100 hauptberufliche Schäfer gibt es. Die staatliche Förderung ist unzureichend, die Pachtpreise für Land hoch.

shz.de von
03. Juli 2018, 08:03 Uhr

Kiel | Die Zahl der Schäfer in Schleswig-Holstein ist in den vergangenen Jahren um 100 auf 1100 geschrumpft. „Die wirtschaftliche Situation der Schafhalter ist angespannt“, heißt in einem Bericht der Landesregierung zur „Situation der Schaf- und Ziegenhalter in Schleswig-Holstein“. Während die Zahl der Schäfer rückläufig ist, stieg die Zahl der Schafe seit 2011 um 6000 Tiere auf 202.000 Schafe im vergangenen Jahr. Bezogen auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche hat Schleswig-Holstein (nach dem Stadtstaat Berlin) die größte Schafdichte in Deutschland, gefolgt von Thüringen, Baden-Württemberg und Hessen.

Hintergrund der finanziellen Probleme ist laut Regierungsbericht vor allem die Abschaffung der sogenannten „gekoppelten Weideprämie“. Schäfer hätten nur noch Anspruch auf eine Flächenprämie von 300 Euro je Hektar wie andere Landwirte auch. Viele Schäfer hätten aber kein eigenes Land, und die Pachtpreise stiegen seit Jahren. Etwa 800 Schafe seien notwendig, damit ein Schäfer hauptberuflich davon leben könne. In Schleswig-Holstein gebe es nur noch etwa 100 hauptberufliche Schäfer.

„Wir müssen beim Pachten oft mit Naturschutzverbänden konkurrieren, die können aber deutlich höhere Preise bezahlen“, sagte die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Schleswig-Holsteinischen Schaf- und Ziegenzüchter, Janine Bruser. Die Möglichkeit, eine „gekoppelte Weideprämie“ wieder einzuführen, hätten 22 EU-Staaten genutzt, aber leider nicht Deutschland. Bruser kritisierte die kürzliche Ablehnung im Agrarausschuss des Bundestages.

Daher lägen die Hoffnungen primär auf der sogenannten zweiten Fördersäule, dem Naturschutz. Hierfür seien die Länder zuständig. In dem Regierungsbericht wird denn auch besondere Bedeutung der Schäfer mit ihren Herden für den Küstenschutz hervorgehoben – ein Schwerpunkt der Schäfer im Land zwischen den Meeren.

„Schafe halten die Grasnarbe kurz und treten den Deichkörper fest, was die Stabilität gegen Sturmfluten verbessert.“ Und die Wanderschafhaltung sei für die natürliche Pflege weniger fruchtbarer Gebiete, für die Bewahrung der Artenvielfalt sowie im Kampf gegen Erosion und Überschwemmungen von Bedeutung, heißt es im Regierungsbericht.

Als die drei größten Probleme neben der nach Ansicht des Verbandes zu geringen finanziellen Förderung nannte Bruser „Wölfe, Wildgänse und Hunde“. Wölfe reißen laut Bruser immer wieder Schafe und Wildgänse fressen auf den Deichen im Frühjahr das Futter weg. Hunde verschreckten tragende Mutterschafe, was teils zu Totgeburten führe.

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