Reemtsma bangt um Zukunft

Der Konzern beschäftigt 2000 Angestellte an drei Standorten in Deutschland.
Der Konzern beschäftigt 2000 Angestellte an drei Standorten in Deutschland.

Hamburger Zigarettenhersteller warnt vor Schockbildern auf Verpackungen / Umsatz wächst

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06. November 2013, 00:32 Uhr

Der Hamburger Tabakkonzern Reemtsma will sich juristisch gegen die geplanten Schockbilder auf Zigarettenpackungen in der Europäischen Union zur Wehr setzen. „Wir würden klagen, das ist momentan die Haltung des Hauses“, kündigte der Vorstandssprecher der Reemtsma Cigarettenfabriken, Marcus Schmidt, gestern in der Hansestadt an. Reemtsma beschäftigt an seinen drei Standorten in Deutschland etwa 2000 Mitarbeiter, rund 1000 davon in der Zentrale an der Elbe.

Trotz aktuell guter Geschäftsentwicklung sieht Schmidt die Zukunft der Nummer zwei auf dem deutschen Markt in Gefahr, sollten die Forderungen der EU-Gesundheitspolitiker Wirklichkeit werden. Vorgesehen ist, dass Zigarettenpackungen zur Abschreckung nicht mehr nur Warnhinweise wie „Rauchen ist tödlich“ tragen müssen. Zusätzlich sollen die Hersteller verpflichtet werden, mit drastischen Fotos die Gesundheitsrisiken des Tabakkonsums darzustellen. Denkbar sind Abbildungen von Raucherbeinen, teergeschwärzten Lungen und maroden Zähnen.

Zusammen sollen derartige Schreckensbilder und die Schriftzüge zwei Drittel der Packungsvorderseite bedecken. Markenname und Logo träten in den Hintergrund. Auch will die EU Zusätze in Zigaretten wie Menthol verbieten.

Der Reemtsma-Vorstandschef ist entsetzt: „Das ist politisch verordnete Markenzerstörung, die im Kern alles angreift, was Reemtsma in über 100 Jahren aufgebaut hat.“ Schmidt sprach von der „größten und aggressivsten Regulierung der Wirtschaftsgeschichte“, die eine ganze Industrie „enteignen“ würde. Mit der Verabschiedung der Tabakproduktrichtlinie rechnet der Reemtsma-Manager im ersten Halbjahr 2014, die Umsetzung in Deutschland könnte 2015 folgen.

Der geplante Eingriff betreffe keineswegs nur die Zigarettenbranche, warnte Schmidt. „Tabak ist die letzte Bastion vor der Gesundheitsdiktatur der EU-Bürokraten.“ Setzten sich die Radikal-Regulierer beim Tabak durch, dürfte dies zum Dammbruch werden. Bei Produkten wie Alkohol, Fast Food, Süßigkeiten und Fetten drohten dann ähnlich drastische Vorschriften.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2012/13 (30. September) sieht sich Reemtsma mit seinen Marken wie John Player Special, West, Gauloises und Davidoff jedoch weiterhin im Aufwind. Der Umsatz kletterte um 3,2 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern lag bei 573 Millionen Euro nach 545 Millionen Euro 2012. Den Zuwachs schafften die Hamburger in einem schrumpfenden Gesamtmarkt. Laut Reemtsma ging der Gesamtabsatz an Tabakprodukten bundesweit von 121 Milliarden auf 119,3 Milliarden Stück zurück. Der Reemtsma-Marktanteil hierzulande stieg auf knapp 25 Prozent.

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