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Knöllchen für Dauerparker : Raue Sitten auf dem Supermarktparkplatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Statt ewig auf Parkplatzsuche zu gehen, stellen viele Dauerparker ihr Auto am Supermarkt ab. Die Betreiber reagieren.

Auf manchen deutschen Supermarktparkplätzen weht zurzeit ein rauer Wind. Wer dort zu lange parkt oder auch nur vergisst, eine Parkscheibe ins Auto zu legen, muss mit teuren Knöllchen rechnen. Schon das Überschreiten der Parkzeit um wenige Minuten kann 30 Euro kosten. Manchmal wird das Auto sogar abgeschleppt. Als „moderne Wegelagerei“ empfinden das viele Betroffene. Die Händler verteidigen ihr Handeln dagegen als Notwehr.

Verbraucherschützer beobachten dieses bundesweite Win-Win-Geschäftsmodell seit einigen Jahren mit einiger Sorge. Das Modell besteht darin, dass die großen Handelsketten ihre Parkplätze an private Dienstleister verpachten, die mit dort erwirtschafteten Bußgeldern zusätzliche Gewinne generieren. Rechtlich ist es meist erlaubt.

Fakt ist: Die großen deutschen Supermarktketten und Discounter lassen immer häufiger ihre Parkplätze von Privatfirmen überwachen. Das berichtet etwa das auf Parkplatzbewirtschaftung spezialisierte Unternehmen Park & Control. Betroffen sind vor allem Supermärkte in der Nähe von S-Bahnhöfen oder in der Innenstadt. Nach Aussagen der Unternehmen ist es ein Versuch, der Flut unerwünschter Dauerparker Herr zu werden. Das Unternehmen könne nicht einfach zusehen, wenn Pendler oder Mitarbeiter benachbarter Büros die Kundenparkplätze belegten. „Wenn unsere Parkplätze zugeparkt sind, fahren die Kunden irgendwann zu den Wettbewerbern“, sagt etwa ein Rewe-Sprecher.

In solchen Fällen beauftragen die Supermarktketten oder die Vermieter der Ladenlokale gerne Unternehmen wie Park & Control oder Playfair-Parking mit der Überwachung der Stellplätze. Rechtlich ist das grundsätzlich völlig in Ordnung, solange mit Schildern deutlich auf die Parkbedingungen und die Folgen von Zuwiderhandlungen hingewiesen wird.

Hinweis am Eingang Penny Adelbylund.
Hinweis am Eingang eines Discounters Penny in Flensburg. Foto: Carlo Jolly
 

Das Gleiche gilt für das Kassieren einer Strafe für überlanges Parken oder das Fehlen einer Parkscheibe, wie etwa der Rechtsschutzversicherer Arag betont. Schließlich handelt es sich bei den Parkplätzen um privaten Grundbesitz.

Doch sorgt dieses Vorgehen inzwischen für viel böses Blut. Der Berliner Rechtsanwalt Thomas Hollweck glaubt: „Viele Händler wissen gar nicht, wie schlecht das bei Kunden ankommt.“ Das Konfliktpotenzial sei besonders groß, wenn eine Parkscheibenpflicht neu eingeführt werde.

Ein Beispiel dafür ist Hans-Christian Vogt aus dem schleswig-holsteinischen Busdorf. Als er vor rund sechs Wochen wieder einmal in einem Einkaufscenter in der Nachbargemeinde einkaufte, übersah er die Neuregelung und fand nach dem Shoppen ein Knöllchen über 30 Euro an der Windschutzscheibe. Eine Bitte um Kulanz verhallte bei der Überwachungsfirma wie beim Laden ungehört. „Das ist für mich Abzocke“, ärgert sich Vogt, er will künftig einen Bogen um das Geschäft machen.

Auch der Flensburger Horst Amedick wurde Ende Dezember böse überrascht. Nicht wissend, dass der Kundenparkplatz von einem privaten Unternehmen als Untermieter bewirtschaftet wurde, hatte er die geforderte Parkscheibe nicht aufs Armaturenbrett gelegt. Ein Wächter des Pächters Park & Control hatte ihm deswegen ein 30-Euro-Knöllchen unter den Scheibenwischer geklemmt.

Von wegen günstiger Einkauf: Der Flensburger Horst Amedick bekam auf dem Parkplatz-Gelände eines Penny-Supermarktes wegen fehlender Parkscheibe von einem privaten Kontrolldienst ein Knöllchen über 30 Euro.
Von wegen günstiger Einkauf: Der Flensburger Horst Amedick bekam auf dem Parkplatz-Gelände eines Penny-Supermarktes wegen fehlender Parkscheibe von einem privaten Kontrolldienst ein Knöllchen über 30 Euro. Foto: Michael Staudt
 

Als dies öffentlich wurde, reagierte die Konzernzentrale kulant und sorgte dafür, dass die Strafe nicht gezahlt werden musste.

Ärger scheint nicht zuletzt durch die Art programmiert, wie das Vertragsverhältnis zwischen Überwachungsfirmen und Parkplatzbesitzern geregelt wird. Oft ist die Überwachung für die Parkplatzbesitzer kostenlos. Das heißt: Geld verdient das Überwachungsunternehmen durch die Knöllchen. Das dürfte nicht gerade ein kulantes Vorgehen fördern.

Die Überwachungsfirmen sehen das naturgemäß anders. „Die Autofahrer müssen einfach nur die Parkscheibe auslegen, das ist nicht viel verlangt“, meint Tilman Kube von Park & Control. Dass die Knöllchen auf dem Parkplatz oft teurer sind als im normalen Straßenraum, rechtfertigt er mit hohen Kosten. „Private Unternehmen der Parkraumüberwachung müssen kostendeckend arbeiten.“ Immerhin hat Kube einen Tipp für Betroffene: Wenn ein Kunde nach dem Einkauf ein Knöllchen an seinem Wagen finde, lohne es sich oft, an der Kasse um Hilfe zu bitten. Häufig böten die Supermärkte bei Vorlage des Einkaufszettels Stornoformulare an.

Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU hat dennoch erhebliche Vorbehalte. „Wirklich kundenfreundlich ist so etwas nicht. Gerade in Zeiten des Online-Handels kann das schnell nach hinten losgehen. Der Online-Handel braucht keine Parkplätze.“

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