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"Die Lage ist dramatisch" : Rader Hochbrücke: Wirtschaft lahmgelegt

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Das Hamburger Unternehmen Repower wollte bis Ende des Jahres 400 Schwertransporte mit Windrädern über die Rader Hochbrücke schicken. 10.000 Tonnen Stahl müssen warten.

Rendsburg/Husum | Die Sperrung der Rader Hochbrücke für Lastwagen beschert der Wirtschaft im Land Millionenverluste. Spediteure und Windkraftfirmen sind besonders hart getroffen. Allein das Hamburger Unternehmen Repower hätte noch bis Ende des Jahres 400 Schwertransporte über den Kanal schicken wollen, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Geplant war, 30 Windkrafträder nördlich des Kanals zu errichten. Die marode Hochbrücke hat Deutschlands nach Marktanteilen drittgrößtem Windkraftanlagenbauer aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Rund 10.000 Tonnen Stahl und Technik können den Angaben der Sprecherin zufolge so vorerst nicht bewegt werden. Rechnerisch entsprechen allein die Ausfälle bei Repower der Hälfte aller Windkraftanlagen, die vergangenes Jahr in Norddeutschland errichtet wurden. "Die Lage ist absolut dramatisch", schildert Nicole Knudsen vom Landesbüro des Bundesverbands Windenergie die Situation nach der Brückensperrung.
Das dänische Unternehmen Vestas, das unter anderem auch in Husum produzieren lässt, macht zwar keine Angaben zur Zahl ausgefallener Schwertransporte über den Kanal, will künftig aber verstärkt auf eine eigene Ro-Ro-Fähre zwischen Apenrade und Rostock setzen, um Schleswig-Holstein umfahren zu können. Auch Repower prüft angesichts von Baustellen auf anderen Straßen im Land Ausweichrouten für seine bis zu 150 Tonnen schweren Gespanne über den Seeweg. Die Transportkosten würden sich dadurch aber mindestens im Millionenbereich verdoppeln, sagte die Konzernsprecherin.

Mehrkosten von 10.000 Euro pro Woche

Auch jenseits der Windkraftbranche schießen die Kosten für Unternehmen mit jedem Sperrtag der Brücke weiter in die Höhe. Einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Flensburg zufolge, die shz.de vorliegt, rechnet deutlich mehr als ein Viertel (29 Prozent) der Speditionsbetriebe nördlich des Kanals durch die Brückensperrung mit Mehrkosten von 10.000 Euro und mehr pro Woche. Weitere 29 Prozent geben zusätzliche Kosten von 1000 bis 2000 Euro an.
Aus Unterlagen des Kraftfahrzeugbundesamtes geht zudem hervor, dass die Zahl zugelassener Lastwagen im Land zuletzt deutlich zurückgegangen ist. In der Logistikbranche gilt dass als Alarmsignal. Für den ganzen Juli - und die Brücke wurde erst in der zweiten Hälfte gesperrt - ergibt sich daraus schon ein Minus von drei Prozent gegenüber den Vergleichsmonaten von 2012 und 2011.
Sebastian Schulze, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände (UVNord), warnt angesichts der dramatischen Entwicklungen bereits: "Der Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein ist in Gefahr." Das Land werde ein Problemfall für Investoren.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 02:43 Uhr

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