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Kommentar zum Freispruch : Prozess gegen Marco Hahn: April, April?

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Juristische Unfähigkeit, Gleichgültigkeit, Lustlosigkeit? Der Staatsanwalt hat einen kolossalen Bock geschossen. Ein Kommentar von Bernd Ahlert.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2015 | 07:49 Uhr

Was ist das? Da flattert der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige ins Haus, dann wird ausgiebig gegen den Investor Marco Hahn ermittelt, da liegt schließlich eine Anklageschrift beim Landgericht vor und staubt jahrelang vor sich hin – und schließlich wird kurz vor der Verjährung ein Prozess eröffnet, bei dem sich alle staunend die Augen reiben.

Der zuständige Chefermittler lädt einen Kronzeugen vor, der kaum Erinnerungsvermögen an den Tag legt, wenn es um seine eigenen Aktien-Deals in zweistelliger Millionenhöhe geht. Dem Staatsanwalt bricht damit die Beweiskette für eine angebliche Wahrheit zusammen, die sich bei näherer Betrachtung als Fata Morgana erweist. Und am Ende erklärt der Ankläger, alles sei irgendwie ein Irrtum gewesen, man möge den Angeklagten doch bitte freisprechen. Fehlt nur, dass der Mann ruft: April, April!

Alle Ungereimtheiten und Unwahrheiten, die während des gut vierstündigen Prozesses an den Tag gelangt sind, hätten bei sorgfältiger Prüfung durch den Staatsanwalt lange vorher geklärt werden können. Dafür hätte es nur ein paar Fragen und einer sorgfältigen Recherche der Vertragslage bedurft. Was ist das? Juristische Unfähigkeit, Gleichgültigkeit, Lustlosigkeit?

Egal, was der Grund für das merkwürdige Berufsgebahren dieses Staatsanwalts ist – in jedem Fall hat der Ermittler einen kolossalen Bock geschossen. Er hat fahrlässig juristische Ressourcen einer angeblich überlasteten Staatsanwaltschaft verschwendet – für nichts. Er hat dem Ansehen der Justiz geschadet – die Staatsanwaltschaft ist schließlich keine Versuchsanstalt, die nach dem Try-and-Error-Verfahren Verdächtige vor Gericht zerrt.

Nur gut, dass die Richter kurzen Prozess gemacht und die nach Papierform zurecht gelegte „Wahrheit“ des Staatsanwalts mit einem Freispruch vom Tisch gefegt haben. Man kann über den schillernden Investor Marco Hahn denken, was man will. In diesem Fall ist ihm Unrecht widerfahren.

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