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Pläne der Konzerne : Provinzial-Fusion könnte 500 Arbeitsplätze kosten

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Die Provinzial-Versicherungen halten eine Fusion für sinnvoll. Bei den Plänen stehen bis zu 500 Arbeitsplätze auf der Kippe. Von der Fusion wäre auch der Standort Kiel betroffen.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 12:54 Uhr

Kiel/Münster | Mit der angepeilten Fusion der Provinzial-Versicherungen Nordwest in Münster, die auch in Kiel einen Standort hat, und Rheinland in Düsseldorf steht bis zu jeder zehnte Arbeitsplatz in den Hauptverwaltungen auf der Kippe. Die Vorstände der beiden Konzerne gehen in ihrem Konzept davon aus, dass schätzungsweise 350 bis 500 Arbeitsplätze eingespart werden könnten, sagte der Chef der Provinzial Rheinland, Walter Tesarczyk, am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf. Ein Stellenabbau dieser Größenordnung wäre ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich, indem freiwerdende Stellen nicht wiederbesetzt werden. Die Konzerne haben rund 5000 Mitarbeiter im Innendienst in den Hauptverwaltungen.
"Wir haben gesagt, es macht betriebswirtschaftlich Sinn", fasste Tesarczyk das im März erstellte Konzept der Vorstände zusammen. Es sei nun die Entscheidung der insgesamt sieben Eigentümer der beiden Versicherungskonzerne, ob es zu einer Fusion komme. Die öffentlich-rechtlichen Versicherer seien gut aufgestellt. Andererseits versuchten alle Unternehmen der Branche, vor dem Hintergrund extrem niedriger Zinsen und deren Auswirkungen auf die Ertragsmöglichkeiten Kosten zu senken. Die Frage nach Einsparpotenzialen würde sich auch dann für die beiden Provinzial-Versicherungen stellen, wenn es zu keiner Fusion käme. "Irgendwann, wenn man stehen bleibt, steht man hinten."

Bücher noch nicht geöffnet


Konkret gingen die Vorstände in ihrem Konzept davon aus, dass im Fusionsfall mit einer Ergebnis-Steigerung von schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Euro zu rechnen sei. Bei einem addierten Ergebnis beider Unternehmen von derzeit etwa 200 Millionen Euro würde das einer Ertragssteigerung von 40 bis 50 Prozent entsprechen, erläuterte der Chef der Provinzial Rheinland. Allerdings handele es sich bei den Zahlen um Schätzgrößen aus öffentlich zugänglichen Daten. Die Bücher der Unternehmen habe man sich bisher gegenseitig noch nicht geöffnet.
Ende April hatten rund 600 Provinzial-Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung in Kiel ihre Forderungen bei einer Fusion der Provinzial Nordwest und Rheinland deutlich gemacht. Für diesen Fall benötige die Provinzial einen Staatsvertrag der drei betroffenen Bundesländer, hatte die Kieler Betriebsratsvorsitzende Kerstin David nach der Versammlung erklärt. Darin müssten unter anderem die Gemeinwohlorientierung des öffentlichen Auftrages und der Erhalt der Standorte geregelt werden. Zudem müsse die Holding künftig eine Anstalt öffentlichen Rechts sein und keine Aktiengesellschaft.
Die Provinzial-Versicherungen gehören zur Sparkassen-Finanzgruppe. Eigentümer der Provinzial Rheinland sind die Sparkassenverbände Rheinland und Rheinland-Pfalz sowie der kommunale Landschaftsverband Rheinland. Die Provinzial Nordwest gehört den Sparkassenverbänden Westfalen und Schleswig-Holstein, dem ostdeutschen Sparkassenverband und dem kommunalen Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Es hat in der Vergangenheit bereits mehrere Anläufe gegeben zu einer Fusion der selbstständigen Provinzial-Versicherungen in Münster und Düsseldorf.
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