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Beiersdorf : Protest gegen Hormonersatz in Nivea-Creme

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umweltschützer werfen Beiersdorf vor, gefährliche Chemikalien in Pflegeprodukten zu verwenden. Die Konzernspitze sagt: „Die Verträglichkeit ist wissenschaftlich belegt“.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 08:37 Uhr

Hamburg | Der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf steht wegen der Verwendung von Konservierungsmitteln in der Kritik. Vor dem Firmensitz in Eimsbüttel forderten gestern Aktivisten der Umweltorganisation BUND einen Verzicht auf hormonähnliche Substanzen in allen Nivea-Cremes. Die sogenannten Parabene gelten laut BUND-Chemie-Expertin Sarah Häuser als krebserregend: „Diverse Studien belegen, dass hormonell wirksame Stoffe sich im menschlichen Körper aufsummieren und mit ernsten Krankheiten in Verbindung stehen können.“ Die hormonähnlichen Stoffe, die über Haut in den Körper gelangen, sollen für Brust- und Hodenkrebs, eine verminderte Spermienqualität sowie verfrühte Pubertät bei Mädchen verantwortlich sein.

Zu der Gruppe vor der Beiersdorf-Zentrale gehörte die Berlinerin Jutta Steffenhagen. Die Mutter eines dreimonatigen Kindes hatte während der Schwangerschaft von einer BUND-Studie erfahren, nach der ihre Nivea-Bodylotion mit hormonell wirkenden Substanzen belastet sei. Vor zwei Monaten startete sie eine Online-Petition und überreichte den Beiersdorf-Verantwortlichen gestern mehr als 80 000 Unterschriften von Verbrauchern, die den Verzicht auf Parabene verlangen.

Beiersdorf kontert: Die Beimischung der kritisierten Substanzen sei gesetzlich erlaubt, der Konzern halte alle Grenzwerte ein. „Bei Parabenen handelt es sich um Konservierungsstoffe, die in vielen wasserhaltigen Kosmetikprodukten eingesetzt werden, um die Ausbreitung von Bakterien und Schimmelpilzen bei der Nutzung zu verhindern“, sagte Konzernsprecherin Inken Hollmann-Peters. Die Verträglichkeit sei wissenschaftlich belegt. Etwa 30 Prozent der Nivea-Cremes und -Lotions beinhalten die Stoffe.

Die relativ geringen Mengen in den einzelnen Produkten beruhigen die Initiatoren der Petition nicht. Problematisch sei vor allem die Summierung der Substanzen bei Anwendung mehrerer Cremes. Sarah Häuser: „Auf diese Weise entsteht ein Hormoncocktail, der negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnte“.

Die Kampagne von Steffenhagen und des BUND zielt auf die gesamte Branche. Im Falle des Beiersdorf-Konkurrenten Johnson & Johnson verbuchen die Aktivisten einen ersten Erfolg. Das US-Unternehmen hat angekündigt, ab Mitte 2014 in seiner Penaten-Babycreme keine Parabene mehr zu verwenden. Auf solch ein Zugeständnis hatte die Gruppe der etwa 20 Protestierer auch in Hamburg gehofft. Doch nach einem rund einstündigen Gespräch mit der Beiersdorf-Führungsetage zogen Jutta Steffenhagen und ihre Mitstreiter mit leeren Händen und Wut im Bauch ab. Das Unternehmen verweigerte eine Verzichtserklärung und versprach lediglich: „Selbstverständlich prüft Beiersdorf generell auch den Einsatz von Alternativen zu Parabenen.“ Sarah Häuser: „Ein Schlag ins Gesicht aller Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Riskante Substanzen
Eine Studie des BUND kam zu dem Schluss, dass gut ein Drittel der Kosmetik hormonähnliche Stoffe enthält.  Die Organisation beruft sich dabei auf Angaben von Verbrauchern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Haarwachs und Sonnenschutzmittel waren der Studie zufolge besonders oft belastet. Zu den sogenannten endokrin aktiven Stoffen, die gefunden wurden, zählen dabei unter anderem die Konservierungsstoffe Methylparaban, Propylparaban und Ethylparaban. Umstritten ist das Risiko, das von diesen Stoffen ausgeht. So weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass der Großteil der Stoffe nach Erfahrungen aus Tierversuchen als unproblematisch anzusehen sei.  Mit Blick auf die konkrete BUND-Studie kritisiert das BfR zudem,  dass sich die Gefahren der Inhaltsstoffe nicht abschätzen lassen, wenn über die verwendeten Mengen nichts bekannt sei.



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