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Unternehmen in Itzehoe : Prokon zahlt kein Geld mehr aus

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Prokon-Firmenchef Carsten Rodbertus entschuldigt sich bei den Anlegern – und appelliert erneut an sie, auf eine Kündigung zu verzichten oder eine bereits ausgesprochene Kündigung zurückzunehmen. Er brauche Zeit.

Itzehoe | Es ist das Wochenende der Entscheidung: Gibt es für Prokon noch eine Rettung oder muss das Unternehmen kommende Woche Insolvenz anmelden? In der Itzehoer Firmenzentrale wird weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, die Kündigungen von genussrechten zu erfassen und in eine Datenbank einzugeben. Nur etwa 70 Millionen Euro dürfen Anleger laut Prokon abziehen, um eine Insolvenz vermeiden zu können. Tatsächlich sind bis Freitag Genussrechte im Wert von fast 227 Millionen Euro gekündigt worden. Allerdings werden die Anleger ihr Geld vorerst nicht erhalten. „Tatsächlich können wir in der jetzigen Situation keinerlei Rückzahlungen oder Zinsauszahlungen vornehmen“, heißt es in einem Schreiben des Geschäftsführenden Gesellschafters Carsten Rodbertus.

Der Firmenchef reagierte am Freitag zugleich auf Vorwürfe der Verbraucherzentrale, Prokon habe die Anleger unter Druck gesetzt: „Wir bitten Sie ausdrücklich um Entschuldigung, wenn Sie sich durch unser Schreiben angegriffen oder gar bedroht gefühlt haben sollten.“ Rodbertus appellierte erneut an die Anleger, auf eine Kündigung zu verzichten oder eine bereits ausgesprochene Kündigung zurückzunehmen. Er brauche Zeit, um die Genussrechte und das Unternehmen zu restrukturieren und wieder auf einen zukunftsfähigen Kurs zu bringen. Es sei im Interesse aller Anleger, eine Insolvenz zu verhindern.

Zudem teilte Rodbertus mit, dass die gekündigten Genussrechte möglicherweise in einem Insolvenzverfahren nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten sind. Da auch keine weiteren fälligen Forderungen anderer Gläubiger wie Banken, Lieferanten oder Sozialversicherungen bestünden, läge in diesem Fall keine Insolvenz vor und das Gericht müsste einen Insolvenzantrag ablehnen. „Zur Überprüfung dieser Frage sind Rechtsgutachten in Auftrag gegeben.“

Anfragen von Journalisten beantwortet Rodbertus nach wie vor nicht, doch kündigt er zumindest an: „Zu gegebener Zeit, wenn es tatsächlich fundierte Neuigkeiten gibt – dann möglicherweise gemeinsam mit einem Insolvenzverwalter – werden wir an die Öffentlichkeit treten. Aber erst, wenn klar ist, wie es mit Prokon weitergeht.“ Diese Aussage lässt vermuten, dass der Prokon-Gründer weiter eine Insolvenz nicht ausschließt, vorsichtshalber hat er bereits einen Insolvenzberater verpflichtet.

Das Unternehmen Prokon finanziert sich fast ausschließlich über Genussrechte. Bei mehr als 75.000 Anlegern wurden rund 1,4 Milliarden Euro eingesammelt. Das Unternehmen hatte bis zum kommenden Montag von seinen Anlegern eine Erklärung gefordert, dass sie ihr Kapital nicht abziehen. Sonst drohe die Insolvenz.

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erstellt am 18.Jan.2014 | 11:24 Uhr

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