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Unternehmen aus Itzehoe : Prokon vor monatelanger Hängepartie

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Prokon drohte vor zwei Wochen mit einer Planinsolvenz. Beantragt hat Carsten Rodbertus ein ordentliches Insolvenzverfahren. Wenn es so weit kommt, ist er nicht mehr Teil der Unternehmensleitung.

Itzehoe | Bei Prokon wird es voraussichtlich mehrere Monate dauern, bis klar ist, ob bei dem Itzehoer Unternehmen tatsächlich ein Insolvenzgrund vorliegt. Das sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin bei einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz in Itzehoe. Es werde zwei bis drei Monate dauern, um zu prüfen, wie die gekündigten Genussscheine insolvenzrechtlich zu beurteilen sind, sagte der Jurist. „Die Fortführung des Kerngeschäfts steht für mich außer Frage.”

Er habe drei Professoren mit Gutachten beauftragt, sagte Penzlin. „Es ist möglich, dass die Prüfungen ergeben, dass kein Insolvenzgrund vorliegt. Aus Sicht der Belegschaft ist das das gewünschte Ergebnis.” Die Frage, ob dann die Anleger dennoch dauerhaft nicht mehr an ihr Geld kommen, wollte Penzlin nicht beantworten. Er deutete jedoch an, dass er das für denkbar hält.

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus sagte bei der Pressekonferenz, er habe keine Planinsolvenz beantragt, wie ursprünglich angekündigt, sondern ein ordentliches Insolvenzverfahren. Dadurch wird er während des möglichen Insolvenzverfahrens nicht Teil der Unternehmensleitung sein können. Als Grund nannte er mögliche Anfeindungen gegen seine  Person. „Ich würde natürlich auch weitermachen”, sagte er dennoch. Während seiner Ausführungen wurde Rodbertus mehrmals von Applaus von Prokon-Angestellten unterbrochen.

Er sagte, es habe bereits Gespräche „mit mindestens fünf Marktteilnehmern” über den Kauf von Windparks oder Teilen davon gegeben. „Wir erwarten kurzfristig Kaufpreisangebote für Teile des Windparkportfolios.” Er gab sich überzeugt, dass Preise oberhalb der bilanziellen Buchwerte erzielbar sind. „Wir werden den Nachweis führen, dass es stille Reserven gibt.” Diese seien von Kritikern angezweifelt worden.

Auf die Frage, was nun bei Prokon anders laufen müsse, wollte Rodbertus keine Antwort geben. Es sei jedoch ein Fehler gewesen, langfristige Investitionen mit kurzfristig kündbaren Genusscheinen zu finanzieren. „Wir haben das aber gemacht, um den Bedürfnissen der Anleger gerecht zu werden. Unsere Anleger sind alt. Ältere Menschen haben naturgemäß mehr Geld.”

Laut Penzlin sind 480 Mitarbeiter unmittelbar von der Insolvenz betroffen. Das sind diejenigen, die direkt bei der Gesellschaft Prokon Regenerative Energien angestellt sind. Für sie sei die Gehaltszahlung für drei Monate aus dem vorläufigen Insolvenzgeld gesichert.

Zur Ertragslage wollte Penzlin sich nicht äußern. Der Wirtschaftsprüfer verweigere das Testat für den Jahresabschluss 2012. Für 2013 werde ein neuer Wirtschaftsprüfer gesucht. „Es ist von großem Interesse, dass wir Grund in die Zahlen bekommen”, sagte er.

Auf der Website prokon.net hat das Unternehmen inzwischen eine Gewinn- und Verlustrechnung für die ersten elf Monate des Jahres 2013 vorgelegt, allerdings ohne Testat eines Wirtschaftsprüfers. Demnach betrug der Umsatz 60,5 Millionen Euro, der operative Verlust 68,6 Millionen Euro. Größter Ausgabeposten waren „Zinsen und ähnliche Aufwendungen” in Höhe von 85,5 Millionen Euro.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 15:51 Uhr

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