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Gefeuerter Chef : Prokon-Gründer Rodbertus – aus der Traum

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Eine konstruktive Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich: Der vorläufige Insolvenzverwalter schickt Rodbertus vom Hof. Für die Mitarbeiter des angeschlagenen Windkraft-Unternehmens ist die Nachricht „ein kleiner Schock“.

shz.de von
erstellt am 01.04.2014 | 16:00 Uhr

Itzehoe | Der nächste Paukenschlag beim Windkraft-Unternehmen Prokon aus Itzehoe (Kreis Steinburg): Der vorläufige Insolvenzverwalter der Prokon Regenerative Energien GmbH, Dr. Dietmar Penzlin, hat Firmengründer und Geschäftsführer Carsten Rodbertus sowie Vertriebsleiter Rüdiger Gronau mit sofortiger Wirkung von ihrer Arbeit freigestellt.

Der Hamburger Rechtsanwalt prüft derzeit die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, das bei 75.000 Anlegern Kapital in Höhe von 1,4 Milliarden eingeworben, im Januar aber Insolvenz angemeldet hatte. Ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, entscheidet sich Anfang Mai. Rodbertus hatte sich kritisch über die Prüfung geäußert und parallel damit begonnen, ein neues Unternehmen aufzubauen: Die Prokon Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft eG ist in Gründung und soll nach seiner Vorstellung neues Kapital einsammeln sowie Prokon-Genussrechte übernehmen, um zumindest Teile des Geschäfts weiterzuführen. Das veranlasste Penzlin, seit Mitte vergangener Woche schon mit alleiniger Verfügungsgewalt bei Prokon ausgestattet, zum Einschreiten: „Die Tätigkeiten von Herrn Rodbertus und Herrn Gronau für die Genossenschaft sowie ihre jüngsten Äußerungen über Prokon haben leider keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit gelassen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Beide hatten zuletzt erklärt, dass 150 Mitarbeitern aus dem Vertrieb die Kündigung drohe.

Den Schritt des vorläufigen Insolvenzverwalters wollte Rodbertus gegenüber unserer Zeitung nicht kommentieren. Gestoppt ist aber zunächst der erst am Wochenende verkündete Aufbau einer Kommanditgesellschaft, die Anlaufstelle für Anleger sein sollte, bis die Genossenschaft gegründet ist: „Wir diskutieren zurzeit die Aussetzung der Gründungsphase, um nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen und die Entwicklung einfach abzuwarten.“

Die Prokon-Mitarbeiter wurden von Penzlin per E-Mail informiert – und es war für sie „schon ein kleiner Schock“, schilderte eine Angestellte unserer Zeitung. Bisher habe sich die Belegschaft gefragt, wer zuerst entlassen werde, nun sei der Chef selbst nicht mehr im Haus und dürfe das Gelände auch nicht mehr betreten. Was letztlich dafür den Ausschlag gegeben habe, wüssten die Angestellten nicht. So lieferte die Entwicklung neuen Stoff für die ständig laufenden Diskussionen – „anstrengend, ein Wechselbad der Gefühle“. Immerhin seien die Mitarbeiter dieses Mal schnell informiert worden, nachdem sie sonst die immer neuen Entwicklungen meist erst zuletzt mitbekommen hätten.

Für die Zukunftspläne in der neuen Genossenschaft hatte Rodbertus auf seine Angestellten gesetzt, die in ihrer Freizeit am Aufbau mitwirken sollten. Die Internetseite der Genossenschaft werde auch jetzt weiter offen gehalten, sagte der Vorstand gestern. Sie solle als Forum dienen und als Möglichkeit für Anleger, mit der Genossenschaft in Kontakt zu treten.

Doch ob er dabei Hilfe seiner Belegschaft bekommt, ist fraglich. Denn das Stimmungsbild im Firmensitz an der Itzehoer Kirchhoffstraße sei sehr gemischt, sagt die Mitarbeiterin: „Einige stehen wirklich noch voll hinter ihm, andere haben das Vertrauen verloren. Jeder macht sich natürlich seine eigenen Gedanken.“

 
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