Pleite abgewendet : Praktiker-Sanierung steht

Der Vorstandsvorsitzende Kay Hafner (r) und der Aufsichtsratsvorsitzende Kersten von Schenck auf der Hauptversammlung der Baumarktkette Praktiker. Foto: dpa
Der Vorstandsvorsitzende Kay Hafner (r) und der Aufsichtsratsvorsitzende Kersten von Schenck auf der Hauptversammlung der Baumarktkette Praktiker. Foto: dpa

Insolvenz vom Tisch: Der Praktiker-Vorstand hatte mit dem Aus der Baumarktkette gedroht. Auf der Hauptversammlung stellten sich die Aktionäre hinter das Rettungskonzept.

Avatar_shz von
06. Juli 2012, 09:48 Uhr

Hamburg | Nach der turbulenten Praktiker-Hauptversammlung wirkte Fondsmanagerin Isabella de Krassny erleichtert. Zwei Aufsichtsratsposten, voraussichtlich ein Vorstand nach ihrem Geschmack - das bedeutet endlich mehr Einfluss bei den kriselnden Heimwerkermärkten. Dafür stimmte sie einer kräftigen Kapitalerhöhung sowie - zähneknirschend - einem Darlehen über 85 Millionen Euro vom US-Investor Anchorage zu."Freiwillig hab ich nicht zugestimmt", sagte die Österreicherin zu dem Kompromiss, den sie für zwei Großaktionäre trägt.
Doch den Vorstand wollten die Großaktionäre nicht entlasten. Das Duo habe keine Glanzleistung vollbracht, sagte de Krassny. Eine halbe Milliarde Verlust im Jahr 2011 und dazu desaströse Aussichten: Vorstandschef Kay Hafner und Finanzvorstand Markus Schürholz malten vor den Aktionären eine drohende Insolvenz an die Wand und mahnten, mehr als 20 000 Mitarbeiter könnten ihren Job verlieren. Dieses Horrorszenario könne nur mit ihrem geplanten Rettungspaket abgewendet werden, betonten beide.
"Es ist die wichtigste Hauptversammlung der Unternehmensgeschichte"
Die Spitzenkräfte der Praktiker AG nutzten starke Worte, Leidenschaft und Verve aber klangen nicht durch: Nüchtern lesen sie in dem weißen Saal mit dem riesigen Kronleuchter ihre Reden vom Blatt ab. Erklären, es sei die "zweifelsohne wichtigste Hauptversammlung der Unternehmensgeschichte". Beschreiben, wie ihr Restrukturierungskonzept - ein Finanzkonstrukt aus Kapitalerhöhung, Anleihen und Darlehen - in groben Zügen funktionieren soll. Berichten, dass das Unternehmen seinen Umzug vom Saarland nach Hamburg im September abgeschlossen haben will. Und ziehen den geballten Unmut der Aktionäre auf sich.
Bei den Anlegern macht das Wort "Erpressung" die Runde - ob als Zwischenruf oder auf dem Rednerpult. Eigentlich freue sich Hamburg über neue Firmen, sagt etwa Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Aber: "Hamburg ist kein großes Bestattungsunternehmen, und erpressen lassen sich die Hamburger auch nicht." Nicht die Aktionäre hätten das Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht, sondern Vorstand und Aufsichtsrat. Kein Wunder, dass ein Anleger sich über den Tagesordnungspunkt "Entlastung des Vorstands" gewundert habe, erzählt Unrau - vielleicht habe man sich da vertippt und doch "Entlassung" gemeint?
Seit zehn Monaten kämpfte de Krassny um das Überleben von Praktiker
Auf diesen Zug springt Isabella de Krassny auf, die die beiden Großaktionäre vertritt - die zypriotische Investmentgesellschaft Maseltov und die Fondstochter der österreichischen Privatbank Semper Constantia. Die Österreicherin - blond, schlank, in einem schillernden grünen Kleid - verlangt "zumindest" den Rückzug aller Aufsichtsräte. Nun scheiden zwei Mitglieder des Kontrollgremiums aus, zwei Österreicher rücken ein.
Seit zehn Monaten kämpfte de Krassny verzweifelt um das Überleben des Unternehmens. Viele große Investoren seien aber abgesprungen, weil sie nicht mit "diesem Vorstand" und "diesem Aufsichtsrat" zusammenarbeiten wollten. "Es ist grob fahrlässig, dass wir seit über einem Jahr keinen Vorstand haben, der etwas vom Geschäft versteht."
Kühl watscht Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) den Praktiker-Vorstand ab: "Zahlen sind Ihre Sache wohl nicht." Die Ankündigung, Praktiker werde von 2014 an wieder schwarze Zahlen schreiben, reiche nicht. "Wir wissen, es ist sehr, sehr teuer - aber wir wissen wenig über die zentralen Punkte." Seine Kritik lässt er in dem Satz gipfeln: "Das Ding ist kein Restrukturierungskonzept." Der Vorstand, verlangt Neumann empört, müsse zudem viel mehr Demut an den Tag legen. Schließlich habe er den Wert der Aktie "in die Nähe eines Schokoriegels" geschreddert, schimpft der bekannte Aktionärsrebell Manfred Klein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen