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Autos und Auslandsaufenthalte : Prämien gegen den Azubi-Mangel in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie Unternehmen aus Schleswig-Holstein mit Prämien und Sonderleistungen um die Gunst der Schulabgänger kämpfen.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 14.Feb.2015 | 15:34 Uhr

Autos, Gutscheine, Mitgliedschaften in Fitness-Clubs, Auslandsaufenthalte – im Kampf um geeignete Auszubildende rüsten Schleswig-Holsteins Betriebe auf. Zunehmend setzen sie auf Sonderleistungen, um Bewerber zu locken und sich so Fachkräfte für die Zukunft zu sichern. So stellt der Kieler Großhändler Andreas Paulsen seinen besten Auszubildenden einen Mini-Cooper zur Verfügung. Die Kosten für das Fahrzeug übernimmt der Betrieb. Das Büdelsdorfer Unternehmen Freenet bietet den Lehrlingen günstige Leasing-Raten, damit diese sich ihr erstes eigenes Auto trotz Azubi-Gehalt leisten können. Die Stadtwerke Neumünster geben Einkaufsgutscheine aus.

Ausnahmen sind die drei Firmen damit keineswegs. „Das Thema ist bei sehr vielen Ausbildungsbetrieben angekommen“, sagt Hans Joachim Beckers von der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein. In einer Umfrage der Kammer gaben zuletzt 46 Prozent der Betriebe an, das Ausbildungsmarketing zu verbessern. Einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zufolge (DIHK) setzt bundesweit inzwischen fast jeder zehnte Betriebe auf zusätzliche Anreize, um geeignete Bewerber zu finden.

Kein Wunder: Der Druck auf die Unternehmen ist groß. Immer häufiger ziehen Schulabgänger der Ausbildung ein Studium vor, bleiben Lehrstellen und Ausbildungsplätze im Land unbesetzt. Allein die drei Industrie- und Handelskammern im Land zählten 2014 mehr als 2500 freie Ausbildungsplätze im vergangenen Jahr. Auch im Handwerk blieben etliche Lehrstellen unbesetzt. „Der Kampf um die Fachkräfte wird nicht abnehmen“, warnt Andreas Haumann, Sprecher der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. Bundesweit begannen im vergangenen Jahr so wenig junge Menschen  eine Ausbildung wie noch nie. 2012 beklagten 19 Prozent der Unternehmen im Land einer IHK-Befragung  zufolge, dass es schwer geworden sei, freie Lehrstellen zu besetzen. 2013 waren es bereits 23 Prozent.   

Das Beispiel aus Kiel: Rund 18000 Euro kostet der Mini, mit dem Maik Splettstößer herumfährt.  „Er bekommt natürlich alles bezahlt“, erzählt sein Chef. Das gelte  von der Autowäsche bis zur Tankfüllung. Den Mini stellt die Firma. Splettstößer ist gerade einmal 18 Jahre alt, Auszubildender beim Sanitärgroßhändler Andreas Paulsen in Kiel.

„Ich hatte einen Workshop mit unseren Azubis gemacht“, erzählt Geschäftsführer Lars Paulsen. Sie sollten aufschreiben, was passieren müsste, damit ihr Arbeitgeber attraktiver wird. „Da haben die recht viele Ideen gehabt“, so Paulsen.  Nicht alles sei umsetzbar gewesen. Doch manches schon. „Wir haben angefangen, ein spezielles Azubi-Design zu gestalten.“ Im Internet wurde eine eigene Seite für Ausbildungsinteressierte geschaltet, Flyer wurden gedruckt, auf Berufsmessen  Dosen mit Apfelschorle ausgegeben, um mit Schulabgängern ins Gespräch zu kommen, berichtet  Paulsen. „Dieses Thema Mini-Cooper ist der nächste Schritt.“

Ein Schritt, bei dem es auch um die Zukunft geht. 50 Auszubildende zählt  Sanitärgroßhändler Andreas Paulsen an seinen drei Hauptstandorten. Jedes Jahr würden 13 bis 14 Auszubildende  gesucht. „Da brauche ich auch entsprechende Bewerbungen“, sagt der Geschäftsführer. Doch genau daran mangelt es aus Sicht von immer mehr Betrieben.

Kritisch sieht allerdings der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Nord manche der Angebote, die die Unternehmen ihren Auszubildenden machen. „Schulabgänger wollen keine bunten Glasperlen, sondern existenzsichernde Vergütungen, faire Arbeitszeiten und eine Spitzenqualifikation“, sagt der Jugendbildungsreferent der Gewerkschaft, Philip Thom und spricht sich vor allem für eine höhere Vergütung und gute Perspektiven aus. „Mit guten Ausbildern, 200 oder 300 Euro mehr pro Monat und einer Übernahmegarantie erreicht jede Firma mehr als mit Lockangeboten wie Führerschein, Notebook oder Mitgliedschaft im Fitness-Studio.“

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