zur Navigation springen

Vor Insolvenz : Post von Prokon: „Wie klassische Erpressung“

vom

Prokon droht seinen Anlegern mit Insolvenz. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert den Windkraftfinanzierer aus Itzehoe scharf - und fordert mehr Offenheit.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2014 | 11:36 Uhr

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat das Vorgehen des von der Insolvenz bedrohten Windkraftfinanzierers Prokon scharf kritisiert. „Auf die betroffenen Anleger wirken die aktuellen Verlautbarungen schlichtweg wie eine klassische Erpressung“, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Prokon hatte seine Anleger am Wochenende schriftlich aufgefordert, kein weiteres Kapital abzuziehen, um eine Insolvenz zu vermeiden.

Tüngler appellierte an Prokon-Chef Carsten Rodbertus, „anstelle mit Drohungen zu arbeiten, jetzt vertrauensbildend aufzutreten und endlich für Transparenz bei den Zahlen und dem Geschäftsmodell zu sorgen“. Bis heute lägen keine von einem Wirtschaftsprüfer testierten Zahlenwerke für den Konzern vor.

Tüngler warnte mit Blick auf die aufgelaufenen Verluste, Prokon-Anleger könnten deutlich weniger Geld zurückbekommen, als sie eingezahlt haben. „Denn dann wäre nicht nur die Zinszahlung in Gefahr sondern auch das Genussrechtskapital“, betonte er auf der Internetseite der Vereinigung. Die DSW kündigte an, es werde ein Informationsservice für Betroffene aufgebaut. „Zudem werden wir den Fall weiter intensiv beobachten und - im Fall des Falles - auch juristisch aktiv werden“, sagte Tüngler.

Verbraucherschützer hatten wiederholt das Geschäftsmodell infrage gestellt. „Ich denke auch, dass frisches Geld ständig nötig war, Prokon also zu keinem Zeitpunkt in der Lage gewesen ist, die bestehenden Verbindlichkeiten allein durch die Erträge aus den Kraftwerken zu bezahlen“, sagte Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein am Samstag in der „Tagesschau“.

„Wir warnen bereits seit längerem vor den Risiken der Anlage in Genussrechten bei Prokon“, sagte Günter Hörmann vom Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg. Im September 2012 hatte das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht einer Klage der Verbraucherzentrale gegen ein Unternehmen der Prokon-Gruppe wegen unlauterer Werbung stattgegeben (Urteil vom 5.9.2012, Az. 6 U 14/11). Hörmann riet Anlegern jedoch, nicht vorschnell zu handeln und sich erst bei der Zentrale oder einem Anwalt beraten zu lassen. Auch die Landesregierung in Kiel sieht nach dpa-Informationen das Finanzmodell seit langem sehr kritisch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen