Hamburger Modellbaufirma : Ozeanriesen im Kleinformat

Leistet Präzisionsarbeit: Udo Scheliga. Viele Schiffsmodelle werden von Reedereien für Präsentationen genutzt, einige aber auch als Modell    um beispielsweise zu klären, ob Schornsteingase bei schlechten Windverhältnissen auch am Pool landen können.  Foto: Zollondz
Leistet Präzisionsarbeit: Udo Scheliga. Viele Schiffsmodelle werden von Reedereien für Präsentationen genutzt, einige aber auch als Modell um beispielsweise zu klären, ob Schornsteingase bei schlechten Windverhältnissen auch am Pool landen können. Foto: Zollondz

Die Hamburger Modellbaufirma Ihlenfeldt & Berkefeld entwirft im Auftrag der Industrie Schiffe und Offshore-Anlagen. Der größte Einzelauftrag lag preislich bie 200.000 Euro.

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06. September 2011, 08:44 Uhr

Hamburg | An den größten Einzelauftrag kann sich Udo Scheliga noch genau erinnern: das Kreuzfahrtschiff "Oasis of the Seas", im Original rund 360 Meter lang, einer der größten Ozeanriesen der Welt. "Alle waren irgendwie daran beschäftigt. Bei der Endmontage arbeiteten vier, manchmal fünf Leute gleichzeitig an dem Modell, um alle Komponenten einzubauen", erinnert sich der Geschäftsführer von Ihlenfeldt & Berkefeld. Theater, Einkaufsgeschäfte, eine Eishalle - ein Teil des kompletten Innenlebens des Luxusliners bauten die 17 Mitarbeiter der Modellbaufirma in Hamburg-Iserbrook im Maßstab 1:100 nach, das Modell war an der Steuerbordseite aufgeschnitten. "Eine Herausforderung", wie Scheliga betont. Rund acht Monate dauerte die Arbeit an dem Luxusliner in Miniaturform. Kostenpunkt für den Auftraggeber: rund 200.000 Euro.
Aufträge erhält seine Firma aus der Schifffahrtsindustrie, wo es üblich ist, ein Modell des Originals anfertigen zu lassen. Aber auch die Offshore-Branche setzt auf die Kenntnisse der Feinmechaniker - etwa für die Fertigstellung eines Windkraftparks. Funktionsmodelle wie Palletten-Beförderungsanlagen gehören ebenfalls zu den Auftragsarbeiten, die oft parallel zur Produktion des Originals umgesetzt werden.
Bewegter Markt - mehr Aufträge aus der Offshore-Industrie
Zwei bis drei Monate benötigt Ihlenfeldt & Berkefeld im Durchschnitt zur Fertigstellung der Modelle, so Scheliga. Acht Monate wie bei der "Oasis of the Seas" seien nicht der Normalfall. Die Arbeit für die seit 1913 existierende Firma beginnt dabei in der Regel in der Tischlerei. Dort wird ein Schiffsrumpf aus Lindenholz gefertigt. Für den nötigen Schliff sorgen dann Feinmechaniker: In filigraner Kleinstarbeit verbauen die Handwerker Komponenten aus Zinn, Messing oder Kunststoff an den Modellen. Dabei können sie auf bereits vorgefertigte Einzelteile zurückgreifen - vom Geländer bis zur Laterne. In der Lackiererei werden die Modelle bei Bedarf mit Farbe versehen, eine Siebdruckmaschine oder ein Drucker stellt Folien zur Beschriftung her.
Die Anfertigungen landen überwiegend in Glaskästen zur Präsentation in Unternehmen oder werden zur Vorstellung auf Messen produziert. Manchmal entstehen auch Modelle für weiter gehende Prüfungen. "Gerade eben habe ich ein Angebot für einen Rauchgasversuch fertig gestellt", sagt Scheliga. Mit dem Schiffsmodell will der Anbieter feststellen, ob Schornsteingase bei entsprechenden Windverhältnissen auch in Bereichen auf dem Deck wie dem Pool landen können.
Mit geschätzten 120 Modellen im Jahr macht Ihlenfeldt & Berkefeld einen Umsatz zwischen einer und 1,5 Millionen Euro jährlich. Die Auftragslage hat sich aufgrund der Finanzkrise verändert: Lange Zeit kamen 85 bis 90 Prozent der Umsätze aus der Schiffsindustrie, heute sind es noch 50 Prozent. "Der Schiffbau liegt ein wenig brach, in Deutschland wird weniger gebaut", stellt Scheliga fest. Kompensierend können derzeit die wachsenden Anfragen aus der Offshore-Industrie wirken. Konkurrenz droht Ihlenfeldt & Berkefeld aus Asien. Qualitativ würden diese Modelle aber nicht mit der Arbeit der Hamburger Handwerker mithalten können, urteilt Scheliga. Der Geschäftsführer weiß, wovon er redet: Reeder, die ihre Miniaturen in Asien anfertigen lassen, würden diese nämlich häufig zur Überarbeitung bei Ihlenfeldt & Berkefeld vorbeibringen. Die hohen eigenen Ansprüche ließen sich dann aber nicht mehr umsetzen. "Eine sehr undankbare Aufgabe", sagt Scheliga.

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